Aktienanalyse Daimler für Anfänger

Eine Aktie zu kaufen ist sehr einfach, aber die richtige Aktie zu finden, kann mühsam sein. Im Artikel Aktienanalyse – wie findet man gute Aktien? sind wir bereits auf einige Punkte eingegangen und haben gezeigt, wie man sich einen Überblick verschaffen kann und gezielt Unternehmen heraussuchen kann, die man sich anschließend genauer anschaut. Aller Anfang ist schwer, aber die Erfahrung wächst mit der Zeit und hilft einem, schneller vorangehen zu können. Oft bringen auch aktuelle Entwicklungen im Markt oder in der Gesellschaft ein Unternehmen in den Fokus. Wie zum Beispiel Daimler.

Eines vorweg: ich besitze selbst Aktien von Daimler und das hier soll keine Kaufempfehlung sein, sondern beispielhaft darstellen, wie ich auf das Unternehmen gestoßen bin und wieso ich die Aktie gekauft habe.

Wie ich auf Daimler gekommen bin

Zuerst habe ich Daimler vor ca. einem Jahr gekauft. Ich lese gerne Technikblogs und habe damals erfahren, dass Sascha Pallenberg, der Gründer von mobilegeeks.de, zu Daimler in die Unternehmenskommunikation wechseln wird. Das hatte mich ziemlich umgehauen, kannte ich ihn bzw. seine Seiten schon seit zehn Jahren, er ist ein Unternehmertyp, arbeitet und lebt in Taiwan, hatte immer sein eigenes Ding gemacht und nun? Wechselt er zu Daimler! Ich bin hellhörig geworden.

„Wer aufmerksam im Alltag ist, kann gute Investitionschancen entdecken“

Zu diesem Zeitpunkt war ich der Ansicht, dass die deutsche Automobilindustrie vor schwierigen Zeiten stehen wird. Das war nicht meine eigene Meinung, ich kannte mich einfach nicht aus und plapperte das nach, was ich im Rundfunk gehört und im Internet gelesen habe. Der Abgasskandal bei Volkswagen (und die aktuelle Diskussion um Diesel) hat zu der einhelligen Meinung geführt, dass die deutsche Automobilindustrie den Zug verpasst hat – schließlich zeigt Tesla es uns allen und das Elektroauto ist die einzige Zukunft  – so der Tenor.

Worin ich mir sicher war: das Auto der Zukunft wird stärker vernetzt sein, Mobilität wird anders aussehen als heute. Nicht nur der Antrieb, auch die Technologie im und um das Auto herum wird eine immer größere Rolle spielen. Nicht zuletzt zählt auch das Prestige. Egal wo man sich auf der Welt befindet, Wohlstand wird durch das Auto ausgedrückt. Wer das Geld hat, kauft sich ein prestigeträchtiges Auto.

Als ich mir Saschas Begründung für den Wechsel zu Daimler anhörte, war ich erstaunt. Ich wusste nicht, dass Daimler seine Fühler überall ausgestreckt hat, seit über 20 Jahren im Silicon Valley ist und dort ein eigenes Entwicklungszentrum hat und mit Startups zusammenarbeitet. Die meisten Patente für das autonome Fahren kommen aus Deutschland. Wenn ein Vollblut-Technologiefan wie Sascha zu Daimler wechselt, dann sicherlich nicht (nur) wegen des Geldes, sondern vor allem, wegen der Möglichkeit, an einem der wichtigsten technologischen Entwicklungen teilzuhaben: der Neudefinierung von Mobilität. Wir unterschätzen massiv die Innovationskraft unserer Automobilindustrie. Das ist mir bewusst geworden.

Die Geschichte von Daimler reicht fast 135 Jahre zurük. – Mercedes-Benz 320 (W 142) Streamline saloon, 1938. (c) Daimler.

Analyse der Kennzahlen von Daimler

An der Börse wird immer die Zukunft gehandelt. Ein Aktienkurs bildet nicht das ab, was ein Unternehmen geleistet hat, sondern das, was von dem Unternehmen in Zukunft erwartet wird. Daher steigt der Kurs, wenn ein Unternehmen Mitarbeiter entlässt oder er sinkt, wenn das Unternehmen Absatzprobleme meldet. Bei der Analyse befasst man sich daher mit Kennzahlen, die überwiegend standardisiert Auskunft darüber geben, wie das Unternehmen sich in bestimmten finanziellen Bereichen entwickelt hat und aktuell dasteht.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Daimler

Das KGV drückt den „relativen Preis“ einer Aktie aus. Macht ein Unternehmen 5 EUR Gewinn im Jahr und die Aktie kostet 50 EUR, dann beträgt das KGV 10. Ist der Preis bei 100 EUR, beträgt das KGV bereits 20.  Im ersten Fall ist das Unternehmen relativ betrachtet günstiger zu haben, als im zweiten Fall.

Das KGV von Daimler Betrug Ende 2016 knapp 9. Zum Vergleich: VW 12,3. Wieso? VW hatte 2016 aufgrund der Strafzahlungen deutlich weniger Gewinn verbucht, dennoch waren die Anleger der Ansicht, dass das Unternehmen sich rasch erholen wird und haben die Aktie weiterhin gekauft.

Das KGV von Daimler war demnach ein Indiz dafür, dass die Aktie relativ günstig zu bekommen ist. Je nach Branche sind auch viel höhere KGV möglich, oder bei recht jungen Unternehmen, denen gute Zukunftschancen zugesprochen werden, aber noch kaum Gewinne erwirtschaften. Amazon hatte 2016 ein KGV von 153, im Jahr zuvor 528 (!).

Umsatz und Gewinn von Daimler

Ohne Umsatz kein Gewinn. Der Umsatz zeigt schlichtweg, ob das Unternehmen überhaupt etwas verkauft. Zieht man die Kosten ab, erhält man den Gewinn. Der Gewinn kann demnach durch mehr Umsatz und/oder geringere Kosten erhöht werden. Sinkt der Umsatz eines Unternehmens seit vielen Jahr, wie z.B. bei IBM, dann ist Vorsicht geboten, denn das Geschäftsmodell scheint nicht mehr so gut zu funktionieren. Die Gewinne können nicht dauerhaft durch Kostensenkung stabilisiert werden, dann sinkt der Kurs und die Dividende ist gefährdet. Daimler hat den Umsatz seit 2009 jährlich steigern können, der Absatz läuft also gut. Der Gewinn vor Steuern geht in der Tendenz in dieselbe Richtung, ist aber naturbedingt auch stärker durch andere Faktoren beeinflusst.

Der Cashflow von Daimler

Cash is king. Der Gewinn ist eine bilanzielle Größe, die durch Bilanzgestaltung beeinflusst werden kann, der Cashflow ist die knallharte Realität und zeigt, was am Ende wirklich in der Tasche übrig geblieben ist und an die Anteilseigner ausgeschüttet werden kann. Der Ermittlung erfolgt durch die Kapitalflussrechnung.

Erfolgen beispielsweise hohe Investitionen oder steigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, sinkt der Cashflow. Gleichzeitig sind das aber auch Faktoren, die wichtig für die Zukunft des Unternehmens sind und langfristig zu höheren Erträgen führen können. Dennoch: Investitionen in neuen Anlagen, Forschung und Entwicklung und technologisches Know-how dürften aufgrund der Elektromobilität und neuen Mobilitätskonzepten in Zukunft weiter ansteigen. Der Cashflow hat sich bei Daimler „solala“ entwickelt, daher war es ratsam, die Informationen dazu im Geschäftsbericht nachzulesen. Die Belastungen in 2015 rührten beispielsweise aus erhöhten Investitionen in den Kartendienst „Here“ von Nokia, sowie außerordentlichen Zuwendungen in die Pensionskassen.

Die Dividendenrendite von Daimler

Die Dividendenrendite ist ein für mich wesentlicher Grund eine Aktie zu kaufen, denn ich will regelmäßig sehen, dass sich mein Investment gelohnt hat. Die Dividendenrendite von Daimler betrug Ende 2016 4,6%, d.h. für 100 EUR, die ich in Daimler investiert habe, habe ich 4,6 EUR Dividende bekommen. Zum Vergleich: auf dem Tagesgeldkonto gab es da ungefähr 1%. Damit ist auch eine mögliche Aussagekraft der Dividendenrendite genannt: je höher das Risiko, desto höher die Rendite. Das gilt nicht immer, denn manche Unternehmen zahlen bewusst keine oder nur sehr geringe Dividenden.

Die Dividendenrendite von Daimler ist mit 4,6% weder sehr niedrig, noch sehr hoch, daher genau richtig für mich als konservativen Anleger. Ebenso wichtig wie die Rendite sind bei der Dividende noch weiter Faktoren:

  • Wie lange zahlt das Unternehmen bereits Dividenden?
  • Wie hoch ist der die Ausschüttungsquote (Dividende/Gewinn pro Aktie)
  • Wie steht das Unternehmen generell zur Dividende?
Quelle: wallstreet-online.de

Daimler zahlt fleißig Dividende, sofern der Konzern auch Gewinn erwirtschaftet. In der Finanzkrise brach auch der Absatz ein, die Dividende wurde gekürzt und blieb 2009 komplett aus. Laut Geschäftsbericht strebt Daimler eine Ausschüttungsquote von 40% an, d.h. 40% des Konzernergebnisses werden an die Anteilseigner ausgeschüttet.

Fazit

Die Aktienanalyse von Daimler hat ergeben, dass sich ein Investment lohnen würde. Daimler ist hervorragend aufgestellt, hat eine überaus attraktive Produktpalette und eine weltweit hohe Reputation. Die Entwicklung der Zahlen schaut insgesamt überzeugend aus und dank der Abgashysterie gab es gute Einstiegsmöglichkeiten, da die Kurse gefallen sind. Langfristig

 

Beitragsfoto (c) Daimler
4.53/5 (12)

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