Coca-Cola – Wie man mit Zuckerwasser (und mehr) Geld verdient – Eine Analyse der Aktie

Coca-Cola im Überblick

Die Coca-Cola Company (KO), gegründet 1886, ist der mit Abstand größte Getränkehersteller der Welt und mit seiner Hauptmarke selbst im kleinsten Dorf der Mongolei bekannt. Der Coca-Cola-Konzern verwaltet und vertreibt mehr als 500 nichtalkoholische Getränkemarken bzw. rund 3900 Produkte in über 200 Ländern und ist mit einer derzeitigen Marktkapitalisierung von über 180 Mrd. USD innerhalb der Top 40 der größten Unternehmen der Welt. Zum Geschäft gehört nicht nur der Verkauf von zuckerhaltigen Getränken, sondern immer mehr auch von Trendgetränken, die auf die gesundheitsbewusste Zielgruppe ausgerichtet sind – auch Tee gehört zum Produktportfolio.

Die Dividendenhistorie reicht bis 1963 zurück, seitdem zahlt Coca-Cola kontinuierlich eine jährlich steigende Dividende und gilt somit als sog. Dividendenkönig. Das ist beeindruckend und man mag fast meinen, dass man an dieser Stelle mit einer weiteren Betrachtung getrost aufhören kann. Ein Unternehmen mit solch einer massiven Präsenz auf der Welt und eine solch beeindruckenden Dividendenhistorie ist ein gutes Investment, Punkt.

Dennoch, der Aktienkurs ist in den letzten Wochen deutlich zurückgegangen und die Entwicklung der Zahlen mag nicht jeden Investor überzeugen. Da ich selbst bereits KO-Aktien besitze und demnächst nachkaufen will, nutze die Gelegenheit und schaue mir den aktuellen Stand an.

Coca-Cola Umsatzentwicklung

Innerhalb der letzten fünf Jahre (2013 – 2017) ist der Umsatz kontinuierlich gesunken, wofür im Wesentlichen Refranchising und die Währungsentwicklung verantwortlich ist. Coca-Cola verfügt mittlerweile über keine eigenen Abfüllanlagen mehr, sondern kooperiert mittlerweile vollständig mit externen Flaschenabfüllern.

Somit ist der Umsatzrückgang, ähnlich wie bei McDonald’s, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Bleibt man beim organischen Umsatzwachstum bzw. rechnet die Effekte aus dem Refranchising heraus, hat sich der Umsatz hingegen im gesamten Jahr 2017 positiv entwickelt. Aufgrund der enormen Bandbreite an Getränken und Marken sind auch die Zukunftsaussichten nicht schlecht, denn mit steigender Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an Getränken. Dennoch: einen dynamischen Wachstumsboom darf man nicht erwarten.

Coca-Cola Cashflow-Entwicklung

Wie üblich, schaue ich mir den operativen Cashflow und den Free Cashflow an. Letzterer ist bereinigt um Investitionsaufwendungen, die vom op. Cashflow subtrahiert werden. Diese Aufwendungen sind für gewöhnlich nötig, um das Geschäft aufrechtzuerhalten und wettbewerbsfähig zu bleiben, insofern steht dieses Geld nicht zur Ausschüttung zur Verfügung.

Beim Cashflow offenbart sich ein erstes (vermeintliches) Problem. Trotz des Rechfranchising, das eigentlich eine Entlastung der Kostenbasis mit sich führt, ist der Cashflow je Aktie erstaunlich gesunken:

Quelle: wallstreet-online.de und Coca-Cola Investor Geschäftsbericht 2014/2016.

Der Verlauf der Kurven hat mich allerdings stutzig gemacht, es schien mir, als würden Sondereffekte für den Rückgang verantwortlich sein. Hauptverantwortlich für den starken Rückgang in 2017 ist die US-Steuerreform, die zu einer Einmalbelastung von gut 4,6 Mrd. USD geführt hat. Rechnet man diesen Effekt heraus, liegt der FCF in 2017 bereits bei 2,33 USD je Aktie. Da ich aber weitergehende Effekte nicht ausschließen kann, macht es mehr Sinn, das Vorsteuerergebnis (EBIT) anzuschauen oder besser gleich die Margenentwicklung, um die Relation zum Umsatz herzustellen:

Coca-Cola Geschäftsbericht 2017 & 2014.

Schaut schon etwas besser aus. Coca-Cola ist nach Angaben der Quartalsberichte und des Jahresberichtes vor allem durch Sondereffekte gebeutelt. Die Steuerreform bringt einen negativen Einmaleffekt mit sich, aber auch das Refranchising ist mit Kosten in Form von Abschreibungen auf verkaufte Assets  verbunden. Der bilanzielle Wert einiger verkaufter Anlagen war höher, als der erzielte Kaufpreis. Auf lange Frist kann man jedoch davon ausgehen, dass das Refranchising zu einer positiven Margenentwicklung beitragen wird.

Coca-Cola Dividende – Die fetten Jahre sind vorbei

Wie eingangs bereits erwähnt, ist Coca-Cola ein exzellenter, fleißiger und zuverlässiger Dividendenzahler. Seit beeindruckenden 55 Jahren wird jedes Quartal gezahlt und jedes Jahr erhöht. Mir liegen leider nur die Daten seit 1999 vor:

Quelle: dripinvesting.org.

Das durchschnittliche Dividendenwachstum p.a. der letzten Zeiträume, ausgehen ab Ende 2017. In Klammern der Durchschnitt aller Dividendenaristokraten:

  • 10-Jahre: 7,9% (8,0%)
  • 5-Jahre: 7,4% (8,0%)
  • 3-Jahre: 6,2% (6,8%)
  • 1-Jahr: 4,3% (6,1%)

Trotz der beeindruckenden Dividendenhistorie erkennt man, dass das Wachstum hier insgesamt Rückläufig ist. Die fetten Jahre sind vorbei, könnte man sagen. Der Trend ist in der Tat schon seit 1999 zu beobachten und deutet auf nichts anderes hin, dass hohes Wachstum nicht ewig weitergehen kann. Der Markt ist sprichwörtlich gesättigt. KO befindet sich im langfristigen Bereich nur knapp unter dem Mittelwert aller Dividendenaristokraten, was ich als durchaus anerkennenswert erachte, berücksichtigt man die Branche, in der sich KO befindet.

Die Coca-Cola Dividendenprognose für 2018 ist insofern keine Prognose mehr, da die erste Quartalsdividende um 5,4% ggü. Vorjahr auf nun 0,39 USD angehoben wurde und entsprechend die weiteren drei Quartalsdividenden ebenso ausfallen werden. Aktuell (Anfang April 2018) ergibt sich eine Dividendenrendite von 3,6% p.a. – was ein selten hoher Wert für solch ein Unternehmen ist.

Coca-Cola Aktie im Vergleich zum S&P500

Die Aktie von Coca-Cola hat in den letzten Jahren (und auch zuvor) tendenziell schlechter performt, als der S&P500, den ich als Vergleichsindex heranziehe.

Quelle: wallstreet-online.de

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, nachdem, was wir bisher über die Entwicklung der Zahlen gehört haben. Vergleicht man Coca-Cola mit den beiden großen Konkurrenten Pepsi und Monster Beverage, schneidet KO mit Abstand am schlechtesten ab. Monster schneidet im Vergleich gigantisch ab, da das Marktsegment „Energy-Drinks“ bedeutsam profitabler und dynamischer ist. Übrigens hält Coca-Cola 17% an Monster und hat in 2014 sein gesamtes Energy-Drink-Geschäft an Monster verkauft, dafür das Nicht-Energy-Drink-Geschäft von Monster übernommen.

Quelle: wallstreet-online.de

Prognose Coca-Cola Aktie

Das Management von Coca-Cola schläft natürlich nicht und hat erkannt, dass das Umsatzwachstum weiter verbessert werden muss. Es werden Maßnahmen eingeleitet, die profitable Geschäftsfelder fokussieren und weniger profitable (z.B. Wasser in bestimmten Ländern) depriorisieren. Das dürfte die Marge weiterhin stabilisieren, gar erhöhen. In Verbindung mit den nun abgeschlossenen Refranchising-Maßnahmen, dürfte sich die Marge noch besser entwickeln.

Der Bereich eCommerce soll stark ausgebaut werden, da in diesem Bereich große Wachstumschancen gesehen werden. Eine Kooperation mit Amazon ermöglicht in etwa die Bestellung via Alexa, ähnliches auch mit anderen Smart-Speakern. Die Marke Coca-Cola soll im Netz stärker präsent sein, Kooperationen mit Essenslieferanten werden intensiviert, z.B. Uber Eat, oder DoorDash in den USA – es ist anzunehmen, dass dies weltweit geschehen wird.

 

Insgesamt befindet sich Coca-Cola aber klar in segmentspezifischen „Schwierigkeiten“, denn das Wachstum ist insgesamt durch die Nachfrage nach Getränken beschränkt, der Markt ist gesättigt und wirklich große Wachstumszahlen sind organisch schwer zu erreichen, eher durch Zukäufe. Mit aktuell über 15 Mrd. USD in der Kasse ist KO jedenfalls gut gerüstet für weite Zukäufe, die das Produktportfolio ergänzen.

Fazit

Wer KO kauft, muss wissen, worauf er sich einlässt. Gigantische Wachstumsraten kann man nicht erwarten, dafür jedoch Stabilität im Portfolio. Die Aktie strahlt förmlich Langeweile aus, was mir gut gefällt, weil ich mit der Aktie im Depot entspannter schlafen kann. Das Geschäft ist durch und durch ausgebaut, große Überraschungen in die eine oder andere Richtung dürften nicht aufkommen.

Der aktuelle Kursrückgang ist im Wesentlichen aufgrund des Rückganges am Gesamtmarkt zurückzuführen. Als Dividenden-König profitierte die Aktie bisher gut vom niedrigen Zinsniveau und wird nun, da die Zinsen in den USA steigen, von einigen Investoren wieder verkauft.

 

 

Hinweis: Ich halte Aktien von KO und beabsichtige innerhalb der nächsten Tage weitere Aktien nachzukaufen.

 

 

 

 

 

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