In Aktien investieren – auf steigende Gewinne kommt es an

An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Alles dreht sich um die erwarteten Gewinne, weil steigende Gewinne langfristig zu steigenden Kursen führen und, zum Leidweisen vieler Aktionäre, auch das Gegenteil gilt. In Unternehmen mit langfristig steigenden Gewinnen zu investieren ist deshalb keine schlechte Idee.

Die Erkenntnis, dass steigende Gewinne zu steigenden Kursen führen, ist alles andere als spektakulär. Spannend wird es, wenn es auf die Suche nach den Unternehmen mit langfristig steigenden Gewinnen geht. Dieser Artikel präsentiert einen neuen Ansatz, wie diese Unternehmen zu finden sind und durchleuchtet in diesem Zusammenhang die Entwicklung von Unternehmens- und Kursgewinnen von 92 Dividendenaristokraten aus Nordamerika und Europa. Werden die Dividendenaristokraten ihrem Ruf solider Investments gerecht?

Langfristig steigende Unternehmensgewinne sind kein Zufallsprodukt

Da wir die Zukunft nicht kennen, sind wir gezwungen, uns bei der Betrachtung langfristig steigender Gewinne auf die Vergangenheit zu stützen. Es wird also von der Vergangenheit die Zukunft abgeleitet. Dieses Vorgehen ist nicht ungewöhnlich, schließlich wird auch bei den Dividendenaristokraten von der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen. Dennoch mag dieses Vorgehen bei Unternehmensgewinnen auf den ersten Blick verwegen erscheinen. Lassen Sie uns deshalb überlegen, weshalb langfristig steigende Unternehmensgewinne kein Zufallsprodukt sind und im Regelfall über einen längeren Zeitraum Bestand haben sollten.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Roulette-Tisch und werden Zeuge einer Strähne von zehn Mal Rot. Dann hilft ihnen das leider nichts bei der Vorhersage, ob die Kugel beim nächsten Wurf auf Schwarz fällt. Bei Unternehmensgewinnen in einer Marktwirtschaft sieht das anders aus. Steigert ein Unternehmen über viele Jahre hinweg den Gewinn, so müssen hierfür gewisse positive Voraussetzungen im Unternehmen selbst gegeben sein. Das Unternehmen wird ein funktionierendes Geschäftsmodel vorweisen, verbunden mit effizienten Geschäftsprozessen, einem fähigen Management, Marken, Marktmacht und so weiter. Dies sind strukturelle Merkmale, die weder von einem Geschäftsjahr auf das nächste verschwinden noch innerhalb kurzer Zeit zu erlangen sind. Ein über drei Jahrzehnte angelegter Backtest hat die Annahme, dass Unternehmen mit steigenden Gewinnen in einem Jahrzehnt in der Mehrzahl auch in den zwei folgenden Jahrzehnten ihre Gewinne steigern können, bestätigt – Amazon und aller technischen Neuerungen zum Trotz.

Unternehmen mit langfristig steigenden Gewinnen finden

Stellt sich nun die Frage, anhand welcher Kennzahlen man langfristiges Gewinnwachstum messen kann. Die klassischen Kennzahlen laufen hier leider ins Leere. Oft steht die Bewertung des Unternehmens im Vordergrund, z.B. beim Kurs-Gewinn-Verhältnis oder geht es um vermeintliche Sicherheit, z.B. der Dividende unter Berücksichtigung der Ausschüttungsquote.

Selbst Rentabilitätskennzahlen können kein langfristiges Gewinnwachstum messen. 20 % Rendite auf Eigenkapital oder Anlagevermögen sagen bezüglich einer Gewinnentwicklung wenig aus. Erstens weil dies Momentaufnahmen sind und zweitens, weil der Gewinn nur indirekt erfasst wird, schließlich kommt es bei dieser Art von Kennzahlen auch auf die Entwicklung im Nenner an.

Es hilft alles nichts. Wenn es um die Bestimmung langfristigen Gewinnwachstums geht, benötigt man Kennzahlen, die den Gewinn (alternativ den Cash-Flow) direkt messen und nicht irgendwas drum herum.

Langfristiges Gewinnwachstum auf dem Seziertisch

Auf der Suche nach geeigneten Kennzahlen muss man sich zunächst klarmachen, dass das Gewinnwachstum aus zwei Komponenten besteht:

  1. Der Steigerung der Gewinnentwicklung
  2. Der Stabilität der Gewinnentwicklung

Kennzahlen zu Steigerungsraten – auch des Gewinns – sind weitläufig verbreitet. Berechnet wird die durchschnittliche jährliche Steigerung über einen gewissen Zeitraum, z.B. über 5 Jahre. Diese Kennzahl macht allerdings nur Sinn, wenn die Gewinnentwicklung stabil verläuft. Ansonsten weichen die Steigerungsraten von Jahr zu Jahr stark ab.

Die Steigerung der Gewinnentwicklung wird bei fehlender Gewinnstabilität zum Glücksspiel.

Die Stabilität der Gewinnentwicklung

Die Stabilität der Gewinnentwicklung ist der eigentliche Kern. Eine stabile Gewinnentwicklung macht die Zukunft berechenbar und minimiert zugleich das Risiko – insbesondere in einem ausbalancierten Depot, das ausschließlich solche Aktien enthält.

Ein stabiler Gewinnverlauf am Beispiel von Church & Dwight.

Tatsächlich gibt es hunderte von Unternehmen, die ihren Gewinn seit Jahrzehnten stabil steigern. Dabei handelt es sich weder um Geheimtipps noch um Nischenunternehmen, sondern meist um Aktiengesellschaften mit einer Marktkapitalisierung in mehrstelliger Milliardenhöhe. Es ist also möglich, auch ein größeres Depot mit entsprechenden Aktien zu bestücken.

Die Bestimmung der Gewinnstabilität kann über die Korrelation zwischen Zeit- und Gewinnverlauf gemessen werden. Das Ergebnis ist eine Kennzahl mit Spanne von +1 bis -1. Eine 1 entspricht einer wie am Lineal gezogenen Linie. Führt die Linie nach oben (steigt also der Gewinn) ist die 1 positiv, andernfalls negativ. Eine 0 würde heißen, dass es keinen eindeutigen Trend gibt, beispielsweise wenn eine Wellenform vorliegt.

Die Gewinnstabilität von Church & Dwight bemisst sich auf +0,98 von max. 1.0.

 

Die Gewinnstabilität von Chevron erweist sich mit +0,28 als unzuverlässig.

Unternehmen mit einer hohen Korrelation haben einen stabilen Gewinnverlauf. Eine mögliche Grenze für Qualitätsaktien liegt bei +0,8. Ein Wert, der von vielen Unternehmen überschritten wird.

Sind Dividendenaristokraten ein „solides“ Investment?

Die Kombination aus Gewinnstabilität und Gewinnwachstum offenbart die wahre Qualität einer Aktie und relativiert ungleich bekanntere Qualitätsmerkmale wie den des Dividendenaristokraten.

In der folgenden Tabelle sind 92 Dividendenaristokraten enthalten. Jedes dieser Unternehmen war also in der Lage, die Dividende seit mindestens 25 Jahren zu erhöhen. Bedeutet dies zugleich, dass jedes dieser Unternehmen stabil steigende Gewinne verzeichnen kann?

Die Gewinnentwicklung der Dividendenaristokraten sowie die erzielten Kursgewinne.

Verzeichnen alle Dividendenaristokraten stabil steigende Gewinne?

Bei 36 von 92 Dividendenaristokraten liegt das Gewinnwachstum unterhalb von 5 %. Knapp 40 % der Dividendenaristokraten können den Gewinn innerhalb von 10 Jahren also nur unterdurchschnittlich steigern, wobei 12 Dividendenaristokraten sogar einen Gewinnrückgang verzeichnen mussten. Der jährliche Kursgewinn (Kurs-G.) dieser Aktien fiel entsprechend mager aus. Bezüglich der Gewinnstabilität ist die Lage etwas besser. „Nur“ 14 der 92 Dividendenaristokraten (15 %) haben eine unzuverlässige Gewinnentwicklung von unter 0.5 zu verzeichnen.

Anhand der Auswertung lässt sich zwar sagen, dass die Mehrzahl der Dividendenaristokraten stabile und steigende Gewinne erwirtschaftet, der Titel allein hierfür jedoch kein Garant ist.

Führen stabil steigende Gewinne zu höheren Kursgewinnen?

Noch interessanter ist die Beobachtung, dass mit steigendem Gewinnzuwachs auch der durchschnittlich erzielte Kursgewinn steigt. Im Schnitt konnten die Dividendenaristokraten 7,6% im Jahr zulegen. Die Gruppe mit negativem Gewinnzuwachs allerdings nur um 3,5 %, während es in der Spitzengruppe deutlich über 10 % sind. Gleiches gilt für die Stabilität des Gewinns: je stabiler der Gewinnverlauf, desto höher der Kursgewinn. Stabil steigende Gewinne führen also zu höheren Kursgewinnen und letztlich auch zu höheren und sichereren Dividenden. Dies ist selbstverständlich auch bei Nicht-Dividendenaristokraten der Fall.

Fazit: Langfristiges Gewinnwachstum als Erfolgsgarant

Unternehmen mit langfristig steigenden Gewinne können anhand Stabilität und Steigerung des Gewinns (oder Cash-Flows) identifiziert werden. Gleichzeitig führen langfristig steigende Gewinne zu höheren Renditen und wird die die Mehrzahl dieser Unternehmen auch in den kommenden Jahren erfolgreich sein werden. Investoren sollten deshalb nach diesen Unternehmen Ausschau halten. Im Aktienfinder (deutsch) sowie auf DividendStocks.Cash (englisch) stehen die hierfür notwendigen Kennzahlen für Stabilität und Steigerungsraten zur Verfügung, und zwar nicht nur für den Gewinn, sondern auch für den operativen Cash-Flow, den Umsatz und sogar die Dividenden.

Auszug aus dem Filter des Aktienfinders. Rot umrandet die Kombinationen zur Bestimmung der langfristigen Steigerung.
4.5/5 (10)

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