Robo-Advisors – die neuen Stars der Finanzbranche? 

Robo-Advisors gibt es erst seit wenigen Jahren. Der Robo-Advisor quirion beispielsweise, der zur quirin Bank aus Berlin gehört, wurde Ende 2013 gegründet. Auch bei vaamo aus Frankfurt am Main ist das Gründungsjahr 2013. Andere Vertreter wie Whitebox und Scalable Capital sind noch jünger. Sie öffneten ihre Pforten für Anleger Anfang 2016.

Dennoch sorgen die neuen Player auf dem Finanzmarkt für viel Wirbel. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht von neuen Erfolgen berichtet wird. So verwaltete Scalable Capital nach einem Jahr am Markt bereits ein Vermögen von 100 Millionen Euro. Drei Monate später waren es schon über 200 Millionen Euro. Auch um Gelder von Investoren muss die Branche nicht fürchten. 1,32 Milliarden Dollar wurden bei Finanzierungsrunden seit 2012 weltweit eingesammelt.

Grund genug, sich einmal näher mit dem Thema Robo-Advice auseinanderzusetzen. Was sind Robo-Advisors? Was kosten sie Anleger? Welche Vorteile haben sie und welche Risiken gibt es bei der Anlage? Das alles wollen wir im Folgenden klären.

Was ist ein Robo-Advisor?

Robo-Advisors sind digitale Vermögensverwalter. Dabei greifen sie auf Algorithmen und wissenschaftliche Theorien zurück. Wer ein Konto bei einem Robo-Advisor eröffnet, beantwortet in der Regel zunächst eine Reihe von Fragen, die vor allem herausfinden wollen, wie viel Risiko er bereit ist, bei der Vermögensanlage einzugehen. Die Angaben werden ausgewertet und der Anleger erhält im Anschluss einen Vorschlag für ein Portfolio, in das er sein Geld investieren kann.

Ist das passende Portfolio gefunden und das Geld überwiesen, kann sich der Kunde zurücklehnen. Denn der Robo-Advisor behält die Anlage im Blick. Entwickelt sie sich nicht nach den Vorstellungen des Kunden, wird eingegriffen, um sie wieder auf Kurs zu bringen – vollautomatisch, ohne Zutun des Kunden.

Welche Renditen lassen sich erzielen?

Die Redaktion des Fachportals Brokervergleich.de hat diese Frage unter einem bislang einmaligen Blickwinkel betrachtet: sie hat im Mai 2015 einen Echtgeld-Test aufgesetzt, also bei jedem der getesteten Anbieter ein Depot eröffnet und Geld eingezahlt. Dieser Test wird jährlich um neue Anbieter erweitert und liefert interessante Daten dahingehend, dass die Redaktion die echte Performance nach Abzug von Kosten und Gebühren veröffentlicht und alle Robo-Advisors zwei Benchmarks gegenüberstellt, die es zu übertreffen gilt:

RoboAdvisor im Test – Performance seit 01. Mai 2016

Welche Kosten gibt es bei Robo-Advisors?

Eine bequeme Angelegenheit also. Fragt sich nur: Was zahlt der Anleger für diesen Service und ab welchen Beträgen kann er die Dienste in Anspruch nehmen? Hier unterscheiden sich die Anbieter natürlich. Erfreulich ist jedoch, dass die Hürden bei den meisten Robo-Advisors im Vergleich zur klassischen Vermögensverwaltung gering sind. Eine Handvoll Anbieter wie growney oder vaamo ermöglicht die Anlage schon ab einem Euro, häufig beträgt die Mindestanlage zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

Bei den Gebühren setzen die meisten Anbieter auf ein System, das sich aus zwei Punkten zusammensetzt. Zum einen gibt es eine „All In“-Gebühr bzw. Pauschale. Darin sind fast alle Kosten enthalten – also Depotführungsgebühren, Transaktionskosten und die Kosten für die eigentliche Vermögensverwaltung. Die Gebühr beträgt bei vielen Anbietern bis zu 1 % des gesamten angelegten Volumens pro Jahr.

Zum anderen gibt es die Produktkosten – also die laufenden Kosten der Wertpapiere, bei denen es sich in der Regel um ETFs oder aktiv gemangte Fonds handelt. Gerade ETFs erweisen sich hier als günstig und fallen zum Teil mit nur 0,25 Prozent p.a. zu Buche.

Stellt sich ein Anleger ein Portfolio aus ETFs selbst zusammen, kommt er zwar vermutlich günstiger weg. Jedoch muss er es dann auch selbst überwachen. Sollte er Positionen häufig austauschen, summieren sich zudem die Ordergebühren.

Worin investiert ein Robo-Advisor?

Das bringt uns dazu, woraus ein Portfolio bei einem Robo-Advisor eigentlich besteht. Als das beliebteste Finanzinstrument erweisen sich ETFs. ETFs sind passiv gemanagte Indexfonds. Das heißt, sie bilden einen Index wie den DAX oder den Dow Jones nach. Sie haben gleich mehrere Vorteile, die sie für Robo-Advisors und auch für Anleger attraktiv machen. So verursachen sie im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds wenig Kosten. Das ist kaum verwunderlich, schließlich gibt es dank der passiven Nachbildung keinen teuren Fondsmanager.

Außerdem wird mit ETFs eine sehr breite Streuung erreicht. Ein MSCI-Word-ETF investiert beispielsweise in eine Vielzahl von Unternehmen auf der gesamten Welt, die noch dazu aus unterschiedlichen Branchen stammen. Das vermindert das Risiko für Anleger, sollte es bei einem der Unternehmen nicht so gut laufen.

Die Anlageklassen, auf welche die ETFs setzen, unterscheiden sich. Es können Aktien sein oder Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe. Die genaue Zusammensetzung hängt von den Vorgaben des Anlegers ab.

Wir erinnern uns: Bei der Kontoeröffnung werden eine Reihe von Fragen beantwortet. Mit ihrer Hilfe wird ein Risikoprofil erstellt. Auf dieser Grundlage erhält der Anleger einen Portfoliovorschlag beziehungsweise einen Vorschlag für eine Anlagestrategie. Bei einer geringen Risikobereitschaft befinden sich gewöhnlich mehr Anleihen-ETFs im Portfolio, bei höherer Risikobereitschaft mehr Aktien-ETFs.

Wie wird das Geld verwaltet?

Robo-Advisors lassen sich derzeit grob in zwei Lager aufteilen. Auf der einen Seite befinden sich die Finanzanlagenvermittler nach § 34f Gewerbeordnung, auf der anderen Seite die Portfolioverwalter mit Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Einen Überblick über die noch recht junge Szene der RoboAdvisor-Plattformen in Deutschland gibt die Landkarte von Brokervergleich.de

Die Unterscheidung ist wesentlich. Die Vermittler sehen ihre Portfoliovorschläge lediglich als Anregung. Sie haben nach der Kontoeröffnung kaum mehr Möglichkeiten, in das Portfolio einzugreifen. Eine Ausnahme ist das Rebalancing.

Mit dem Rebalancing wird die ursprüngliche Aufteilung im Portfolio wiederhergestellt. Denn durch Kursgewinne und -verluste kann es dazu kommen, dass das Portfolio „aus dem Gleichgewicht gerät“, also dem Risikoprofil des Kunden nicht mehr entspricht. Womöglich gewinnen dann die Aktien-ETFs die Oberhand, obwohl der Anleger sich für ein geringes Risiko entschieden hat. Erkennt der Robo-Advisor eine zu große Abweichung, führt er das Rebalancing durch.

Dabei gibt es Unterschiede, wie oft die Entwicklung geprüft wird. Manche Robo-Advisors überwachen kontinuierlich und führen das Rebalancing nach Bedarf durch. Bei anderen gibt es maximal einmal in der Woche ein Rebalancing oder sogar nur einmal im Jahr.

Die Struktur des Portfolios ist bei Finanzanlagevermittlern jedoch starr vorgegeben entsprechend dem ursprünglichen Vorschlag. Portfolioverwalter mit Erlaubnis der BaFin haben hingegen viel größere Freiräume bei der aktiven Verwaltung und Gestaltung des Portfolios. Auch sie orientieren sich an der Risikoklasse, dürfen jedoch ohne Nachfrage beim Kunden Werte austauschen beziehungsweise die Gewichtung verschieben, wenn sie glauben, dass es für das Portfolio vorteilhaft ist. Erst mit einer entsprechenden Erlaubnis der BaFin handelt es sich also auch um „echte“ Vermögensverwalter.

Wie sicher sind Robo-Advisors?

Eine Erlaubnis der BaFin zur Portfolioverwaltung zu haben, heißt auch, unter deren Aufsicht zu stehen. Diese Robo-Advisors müssen strenge Auflagen erfüllen.

Doch Robo-Advisors ohne Erlaubnis der BaFin achten ebenfalls auf die Sicherheit der Kundengelder. Für beide Lager gilt, dass sie mit etablierten Banken zusammenarbeiten, wenn sie nicht ohnehin zu einer etablierten Bank gehören. Das heißt insbesondere, dass die Depots, in denen die Wertpapiere verwahrt werden, nicht beim Robo-Advisor selbst eröffnet werden, sondern bei dessen Partnerbank. Die Depots der Kunden von Scalable Capital werden beispielsweise bei der Baader Bank geführt, die Depots der Kunden von Whitebox bei der biw Bank.

Geht ein Robo-Advisor insolvent, liegen die Wertpapiere sicher im Depot der Partnerbank und sind von der Insolvenz nicht betroffen. Die Robo-Advisors haben keinen Zugriff darauf. Aber auch, falls die Partnerbank insolvent geht, müssen Anleger keine Sorge haben. Wertpapiere bleiben stets Eigentum des Kunden und zählen nicht zur Insolvenzmasse. Für alle Einlagen gilt zudem die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunden und je nach Bank noch eine freiwillige Einlagensicherung, die darüber hinausgeht.

Wie sieht es mit Sparplänen aus?

Robo-Advisors wenden sich nicht zuletzt an Kunden, für die eine klassische Vermögensverwaltung nicht in Frage kommt – weil sie zu teuer ist oder die Hürde bei der Mindestanlage zu hoch. Viele Robo-Advisors bieten ihren Kunden darum neben der Einmalanlage auch Sparpläne an. Dadurch haben diese die Chance, sich ein Vermögen aufzubauen, indem sie monatlich kleine Beträge einzahlen. Meist sind schon Raten ab 25 oder 50 Euro möglich. Teilweise entfällt sogar die Mindestanlage, wenn ein Sparplan eingerichtet wird, was den Einstieg noch leichter macht.

Robo-Advisors zeigen sich in diesem wie in anderen Punkten gewöhnlich sehr flexibel. Sparpläne können jederzeit unterbrochen und später wiederaufgenommen werden. Auch die Höhe der Rate lässt sich problemlos ändern.

Grundsätzlich gilt für die Anlage bei einem Robo-Advisor natürlich, dass sie sich vor allem langfristig auszahlt. Wertpapiere zeigen immer Schwankungen. Robo-Advisors versuchen, die Schwankungen gering zu halten, wenn das vom Kunden so gewünscht ist. Bei kurzfristigen Tiefs sollten Anleger dennoch nicht in Panik geraten. In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass sich Geduld bei Investitionen in Wertpapiere auszahlt. Wer lange dabei bleibt, darf sich oft über beachtliche Renditen freuen.

Dennoch sind Anleger bei Robo-Advisors anders als beispielsweise bei Festgeldanlagen nicht langfristig gebunden. Eine Kündigung oder auch ein Teilabzug des Kapitals ist jederzeit möglich.

Welche Vorteile bietet ein Robo-Advisor?

Robo-Advisors investieren, wie beschrieben, vor allem in ETFs. Es stellt sich also die Frage: Warum nicht einfach selbst ein ETF-Portfolio zusammenstellen? In vielen Fällen wird das günstiger sein, als die Dienste eines Robo-Advisors zu beanspruchen. Womöglich ist aber auch eine klassische Vermögensverwaltung die bessere Alternative zu den Neuankömmlingen in der Branche.

Sowohl gegenüber selbst zusammengestellten Portfolien als auch gegenüber klassischen Vermögensverwaltungen haben Robo-Advisors einige Argumente auf ihrer Seite.

Zwar verursachen sie zum Teil mehr Kosten als ein Depot in Eigenregie, es ist jedoch nicht damit getan, einmal ein Portfolio zu erstellen. Da es Kursschwankungen unterliegt, ist es immer gut, ein Auge darauf zu haben und es zu pflegen. Das ist für private Anleger jedoch mühsam. Es kostet viel Zeit, sich über Ereignisse zu informieren, die den Markt beeinflussen könnten. Zudem zeigen private Anleger häufig Überreaktionen. Kaum geht es mit dem Kurs eines Wertes bergab, wird dieser verkauft. Am Ende war es aber nur ein kurzer Schluckauf. Wer zu schnell kauft und verkauft, sieht sich zudem bald hohen Transaktionskosten gegenüber.

Anleger bei einem Robo-Advisor können sich hingegen zurücklehnen. Der Robo-Advisor überwacht die Entwicklung des Portfolios. Kommt es zu starken Abweichungen von den Vorstellungen des Kunden, werden automatisch Korrekturen vorgenommen. Beim Risikomanagement kommen zudem wissenschaftliche Modelle wie die Portfoliotheorie zum Tragen. Viele der grundlegenden Arbeiten wurden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Gegenüber klassischen Vermögensverwaltungen punkten die Robo-Advisors mit geringeren Kosten und niedrigeren Hürden beim Einstieg. Eine Mindestanlage wird zum Teil gar nicht verlangt, oft reichen auch schon 5.000 oder 10.000 Euro aus. Sparpläne ermöglichen es den Anlegern, bereits ab geringen monatlichen Raten von 25 oder 50 Euro zu sparen. Einen persönlichen Ansprechpartner gibt es in der Regel zwar nicht, die Portfolios werden jedoch gerade bei Robo-Advisors mit Erlaubnis der BaFin professionell betreut.

Fazit

Robo-Advisors sind noch zu neu am Markt, um Aussagen darüber treffen zu können, wie sie sich langfristig schlagen. Dennoch ist der Wirbel um sie berechtigt. Die auf wissenschaftlichen Theorien und Algorithmen basierenden Konzepte sind vielversprechend. Die professionelle Herangehensweise vieler Robo-Advisors wie Scalable Capital, Whitebox oder quirion – inklusive Erlaubnis der BaFin zur Portfolioverwaltung – spricht für die Branche. Zudem ist es begrüßenswert, dass auch Anleger mit geringem Vermögen diese Form der Vermögensverwaltung nutzen können.

 

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Redaktion von Finanzgrundlagen

1 Kommentar

  1. ETFs sind auf jeden Fall noch eine Option für mich in der Zukunft. Ich weiß nur noch nicht, ob ich sie bei meiner Bank erstellen lasse oder so einen Robo-Advisor nehme. Ab nächsten Jahr gehe ich das gezielt an. Dann gibt es bestimmt schon mehr Erfahrungsberichte dazu. 😉

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