Die Deutsche Rentenversicherung – Teil II, oder: ein Leben lang arbeiten für gar nichts

In unserem letzen Beitrag zur Versorgungssituation im System der gesetzlichen Rentenversicherung (Link) haben wir die Situation zweier sehr unterschiedlicher „Erwerbsbiographien“ betrachtet und kamen zu dem deprimierenden Ergebnis, dass unser „Eckrentner“ nur unwesentlich mehr Leistungen aus seiner Versicherung erhält als ein reiner Transferleistungsempfänger, der im Laufe seines Lebens keinerlei Tätigkeit nachgegangen ist.

Differenz betrug lediglich 400 € bei der Auszahlung. Bei den Kosten für den Staat nur noch etwas über 240 EUR.

Ermittlung des Durchschnittslohns für die Rente

Per Definition ist ein „Eckrentner“ eine Person, die 45 Jahre lang stets den Durchschnittslohn eines deutschen Arbeitnehmers verdient hat. Und hier gilt es nun anzusetzen, wobei das Wort „Durchschnittslohn“  bereits aufzeigt in welche Richtung sich die Diskussion zu orientieren hat.

Um einen Durschnitt zu berechnen werden Löhne und Gehälter aufsummiert und durch die Anzahl der Arbeitnehmer in einem gegebenen Jahr dividiert. Ein bestimmter Teil dieser Gruppe liegt über, ein anderer Teil liegt unter dem errechneten Schnitt. Einige wenige werden sogar genau auf dem errechneten Schnitt liegen.

Nachfolgend wollen wir uns mit der Gruppe an Personen beschäftigen, die unterhalb dieses arithmetischen Mittels liegen, genauer gesagt mit einer Gruppe von Menschen, die um sog. Niedriglohnsektor beschäftigt sind.

Wie viele Personen arbeiten im Niedriglohnsektor in unserem Land?

Zur Bestimmung des Umfangs der Niedriglohnbeschäftigung wird zunächst eine sog. Niedriglohnschwelle definiert.

Das Institut Arbeit und Qualifikation – IAQ der Universität Duisburg-Essen setzt hierbei die Schwelle bei zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns (Median) an. Ausgeschlossen wurden Selbständige und Freiberufler, sowie mithelfende Familienangehörige. Nicht berücksichtigt wurden auch Auszubildende, Praktikanten, Personen in Rehabilitation, Umschulung sowie in weiteren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, Beschäftigte in Behindertenwerkstätten, Personen im Bundesfreiwilligendienst sowie Beschäftigte in Altersteilzeit.

Beschäftigung im Niedriglohnbereich 2013 – 2015:

JahrNiedriglohnschwelleNiedriglohnanteil an allen Arbeitnehmern
20139,58 €23,0%
20149,97 €22,7%
201510,22 €22,6%

Fast jeder vierte in unserem Lad verdient demnach Stundenlöhne auf bzw. vielmehr unterhalb von 10,22€. Die auf Basis von Stundenlöhnen ermittelten Niedriglohnquoten weisen für Deutschland den höchsten Wert unter den Vergleichsländern auf, wenn man einmal von Litauen (27,5 Prozent) absieht. Es folgen Zypern, Bulgarien, Großbritannien und Polen mit Quoten zwischen 21,5 und 18 Prozent. Relativ niedrig sind die Quoten dagegen in Belgien, Frankreich, Italien und den skandinavischen Ländern.

Die Deutsche Rentenversicherung – Teil I, oder: wer arbeitet, ist der Dumme?

Was bedeutet der Niedriglohnsektor für die betroffenen Personen und deren Rente?

Betrachten wir das Jahr 2015 und hier eine Person, die exakt am Rand der Schwelle zum Niedriglohnsektor beschäftigt ist. Wir weisen in diesem Kontext darauf hin, dass natürlich sehr viele Menschen auch deutlich unter dem Niveau von 10,22 € verdienen.

Konkret: Im Jahr 2015 betrug das Durchschnittsentgeld der Arbeitnehmer in Deutschland 35.363 €. Der Beschäftigte auf der Schwelle zum Niedriglohnsektor lag, bei einem Stundenlohn von 10,22 € und einer 40-Stunden-Woche bei 21.257 € (10,22 € mal 8 Stunden/Tag mal 5 Tage /Woche mal 52 Wochen).

An Entgeltpunkten erhielt er damit im Jahr 2015 den folgende Wert gutgeschrieben:

21.257€/35.363€ = 0,6 Entgeltpunkte

Gehen wir nun einmal davon aus, dass diese Person ebenfalls 45 Jahre arbeitet und im Bereich des Niedriglohnsektors verharrt.  Wir errechnen dann (in Westdeutschland) eine Bruttorente in Höhe von 864,81€ (45 Jahre mal 0,6 Entgeltpunkte mal 32,03€ pro Entgeltpunkt). Davon abzuziehen sind selbstverständlich die Sozialabgaben in Höhe von 71,78€ Krankenversicherung und 24,21€ Pflegeversicherung, womit wir bei einer Nettorente in Höhe von 768,82€ liegen.

Wir erinnern uns: Jonas erhält als Transferleistungsempfänger ohne auch nur einen Tag gearbeitet zu haben an Geld- bzw. geldähnlichen Leistungen 881€. Dazu kommt in seinem Fall noch eine „kostenfreie“ Krankenversicherung hinzu.

Dieses Berechnungsbeispiel spricht für sich selbst und hier von einer Rentenversicherung zu sprechen ist blanker Hohn! Eine Gesellschaft deren politische Kaste, dies für in Ordnung hält, hat ein Problem.

Leben am Existenzminimum trotz lebenslanger Arbeit

In diesem Fall ist unser Beschäftigter im Niedriglohnsektor auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen und muss diese separat beantragen. Er erhält, obwohl er sein Leben lang gearbeitet und eingezahlt hat, weniger, als zum Leben reicht (Existenzmininum) und muss daher aufstocken.

Wie geht es Beamten im Pensionssystem? Teil III

In einem in Kürze folgenden Teil III werden wir das Versorgungssystem betrachten in dem die meisten unserer politischen Entscheidungsträger und deren Gefolgsleuten in den Behörden versichert sind. Das Beamtenpensionssystem. Die Ergebnisse werden viele erstaunen, wenn nicht gar ungläubig zurücklassen.

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