Die Deutsche Rentenversicherung – Teil III, oder: wie Beamte bevorzugt werden

In den ersten beiden Teilen unserer Reise in die komplexe Welt der Altersvorsorge haben wir uns auf das System der „Gesetzlichen Rentenversicherung“ fokussiert. Dies war in der Tat sinnvoll, da dieses für die überwiegende Zahl der Menschen in unserem Land die finanzielle Daseinsvorsorge im Alter organisiert.

In dem nun folgenden und abschließenden Teil werden wir einen genaueren Blick auf eine kleine, aber extrem privilegierte, Gruppe von Personen richten, der Gruppe der deutschen Beamten.

Die Pension im Vergleich zur Rente

Zur Verdeutlichung betrachten wir erneut eine fiktive Person, die wir diesmal „Theo“ nennen wollen. Theo steht kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter. Wir wollen Theo mit unserem Eckrentner aus dem ersten Teil unserer Serie vergleichen und ziehen daher die gleichen Parameter heran.

Theo war, ebenso wie Markus, 45 Jahre lang in seinem Beruf (als Beamter) tätig. In seinem letzten Dienstjahr erhält er Bezüge, die brutto genau auf dem Niveau des monatlichen Durchschnittslohnes in Deutschland liegen. Jener Durchschnitt lag im Jahr 2017 bei 3.771 € im Monat. Wäre Theo Angestellter gewesen hätte er für dieses Verdienstjahr (wir erinnern uns) exakt einen „Entgeltpunkt“ im Wert von aktuell 32,03 € (Westdeutschland) erhalten.

Die Deutsche Rentenversicherung – Teil I, oder: wer arbeitet, ist der Dumme?

Und jetzt wird es interessant. Betrachten wir die mögliche Höhe der Pension (so nennt man die Altersbezüge in diesem Versorgungssystem) unseres Beamten sieht die Rechnung völlig anders aus.

Entscheidend für die Berechnung der Pension ist das letzte Gehalt des Amtsträgers vor Eintritt in den Ruhestand, in diesem Fall also 3.771 €. Jedes volle Dienstjahr, in dem ein beamteter Beschäftigter zugleich Vollzeit gearbeitet hat, erhöht den individuellen Anspruch auf Ruhegehalt um 1,79375 %. Maximal möglich ist hier (nach 40 Dienstjahren) ein Wert in Höhe von 71,75%.

Konkret – Die Berechnung der Pension eines Beamten

Das letzte Gehalt in Höhe von 3.771 € wird multipliziert mit 71,75%. Daraus ergibt sich eine Bruttopension von 2.705,69 €. Abhängig vom jeweiligen Dienstherren wird diese sogar noch bis zu 13mal im Jahr bezahlt, somit steigt die monatliche Pension dann bis auf 2.931.16 €.
Zum Vergleich
Unser Eckrentner kam nach 45 Jahren auf eine Bruttorente in Höhevon 1.441,35 €.

In schöner Regelmäßigkeit wird den Menschen in unserem Land von den Vertretern der Beamtenschaft das Märchen erzählt, dass man die Systeme nicht miteinander vergleichen könne und dies deshalb auch nicht dürfe.

Diese Aussage ist natürlich völliger Unsinn!

Das Ausmaß der Ungleichbehandlung spottet jeder Beschreibung. Dies umso mehr, da wir weitere Privilegien noch gar nicht erwähnt haben.

Während keines einzigen Tages seiner Dienstzeit hat Theo Beiträge für seine Altersvorsorge geleistet. Unser Eckrentner hat, zusammen mit seinem Arbeitgeber, im Schnitt stets über 19% seines Bruttolohnes an seinen Rentenversicherungsträger abgeführt.

Im Gegensatz zum „normalen“ Rentner erhalten Beamte bis zu 70% Kostenerstattung für Arzt- und Krankenhausrechnungen und müssen nur 30% zusätzlich privat (und damit deutlich günstiger) versichern.

Fazit

Während die Politik in diesem Land völlig desinteressiert und teilnahmslos hinnimmt, das große Teile der Menschen im Land Gefahr laufen im Alter von Armut bedroht zu sein, alimentiert man die Gruppe der Beamten in einem Umfang, dass es fast einer Verhöhnung der Menschen gleichkommt, die nicht nur selbst für Ihre Renten aufkommen müssen, sondern auch noch die Pensionen der Beamten finanzieren müssen.

Im Gegensatz zu den gesetzlichen Renten gibt es bei den Beamten natürlich auch eine Mindestpension. Diese liegt bei 65% der letzten Stufe der Besoldungsstufe A4. Diese wird bereits nach fünfjähriger Tätigkeit als Beamter bezahlt und liegt aktuell (im Bereich z.B. der Bundesbeamten) bei (2.607,65 * 0,65) 1.694,97 €

http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/bund?id=beamte-bund-2018&matrix=1

Nach dem gleichen Zeitraum käme unser Eckrentner auf die sagenhafte Summe von 160,15 € (32,03 € * 5 Jahre), natürlich, im Gegensatz zum Beamten, selbst finanziert.

2.83/5 (8)

Bitte bewerte diesen Artikel von Finanzgrundlagen

Über Marcel 37 Artikel
Marcel ist Autor von Finanzgrundlagen. Wenn du mir eine Nachricht schreiben willst, kontaktiere mich über die Kommentare in meinen Artikeln oder schreibe mir eine mail an marcel@finanzgrundlagen.de

4 Kommentare

  1. Also in dem Artikel stimmt einiges nicht bzw. fehlt Hintergrundwissen:
    1) „Beamte zahlen nicht in ein Versorgungssystem“: Auf den ersten Blick richtig. Sie zahlen nicht aktiv etwas ein. Aber auf den zweiten Blick falsch: Die Dienstherren führen jeden Monat Geld in Versorgungsfonds ab. Vor einigen Jahren wurden diese eingerichtet. Die Beamtengewerkschaften hatten zugestimmt, dass sie für diese Versorgungssicherheit damals ein Minus bei der Besoldung hinnehmen. Ohne dies wären die Besoldungen höher. Wer mal drauf achtet: Bei Besoldungserhöhungen orientieren sich Bund und Länder meist an den Abschlüssen der Tarifverträge, jedoch kommt immer ein Abschlag drauf, meist in Höhe von 0,2%-Punkten. Dieses Geld fließt in die Versorgungsfonds.
    2) s. Ausführungen von Maschinist
    3) Wer jetzt in Rente geht, muss nur einen Teil seiner Rente versteuern. Beamte mussten schon immer ihre Pensionen voll besteuern lassen.
    4) Die KK-Beiträge bei Rentnern orientieren sich an der Rentenhöhe, die PKV-Beiträge nicht.
    5) Dass bei Beamten die letzte Besoldung für die Pensionshöhe herangezogen wird, ist nach verfassungsgerichtlicher Rechtsprechung ein hergebrachter Grundsatz des Berufsbeamtentums und kann deshalb nur durch Verfassungsänderung abgeschafft werden. Solange dieser Grundsatz jedoch gilt, dürfte es keine Möglichkeit geben, die Beamten in die Sozialversicherung einzahlen zu lassen. Denn die Rentenversicherung beruht auf einem Umlagesystem, bei dem die – ich nenne es mal so – „Lebensarbeitseinkünfte“ die Berechnungsgrundlage darstellen. Da sie sich unterscheidet, würden Beamte also für etwas zahlen, bei dem sie am Ende nichts bekommen können.
    6) Jeder Arbeitnehmer kann mit seinem Arbeitgeber über die Höhe seines Gehalts und damit indirekt über die Höhe der Rente verhandeln. Beamte können das nicht. Sie sind dem Gesetzgeber ausgeliefert, lediglich geschützt durch die verfassungsrechtliche Vorgabe, dass sie genügend alimentiert sind, also von der Besoldung einigermaßen leben können. Besoldungsanpassungen nach unten sind deshalb nicht ausgeschlossen.

  2. Hi.

    Eckrentner ist man aktuell bei 37.873 Gehalt im Jahr, das sind 3.156 Euro im Monat (Du schreibst 3.771 im Monat).
    Dafuer gibt es einen Rentenpunkt von 32.03 Euro und das sind nach 45 Jahren dann 1441.35 Euro.

    Ein pensonierter Beamter mit letzten Sold von 3.156 Euro im Monat haette nach 45 Jahren damit 2.264 Euro.

    Das ist immer noch mehr aber nicht so krass wie Du es darstellst.

    Ich bin kein Beamter und moechte keiner sein.
    Menschen werden beim Staat und auch im oeffentlichen Dienst sehr stark nach Studienabschluss und der Dienstzeit entlohnt. Ich kenne FH-Ingenieure (kind of Bachelor+) die in der privaten Wirtschaft sechstellig im Jahr verdienen. Es wird nach Leistung bezahlt.

    Beim Staat oder oeffentlichen Dienst wuerden Sie nur aufgrund Ihres Dekaden zurueckliegenden Studienabschlusses wie ein besserer Fliessbandarbeiter entlohnt und haetten kaum Chancen dort ohne eine Kuendigung heraus zu kommen. Und nach zwei Dekaden im oeffentlichen Dienst oder als Beamter ist man fuer die private Wirtschaft statistisch nicht besonders begehrt. Man steckt also fest.

    Da kann man sich die Rente am Ende dann auch in die Haare schmieren 😉

    Gruss

  3. Das immer wieder gegen Beamte gehetzt wird, wenn es um die Pension geht.

    Hetzen Sie doch mal gegen die wirklich Besserverdienenden, die auch keinen Cent in die Rentenkasse einzahlen: Architekten, Anwälte, Ärzte,…!

    • Wenn Sie das als Hetze empfinden, sind Sie wohl umgeben von Wattebällchen aufgewachsen.
      Sie hätten alternativ auch argumentativ auf den Artikel eingehen können. Selbständige, die von der Rentenversicherung befreit sind, müssen selbst für das Alter vorsorgen.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*