Wie der Aktienkurs an der Börse entsteht – Angebot und Nachfrage bestimmen Preis

Der Börsenkurs zeigt den aktuellen Preis einer Aktie an - Aktienkurse setzen sich an einem Markt durch Angebot und Nachfrage auf natürliche Weise zusammen.

Aktien und andere Wertpapiere werden zu einem Aktienkurs an einer Börse gehandelt. Der Aktienkurs wird auch fairer Preis oder Marktpreis genannt und bildet sich durch Angebot und Nachfrage. Neben der Funktion der Aktie, die einen Eigentumsanteil an einem Unternehmen darstellt und damit zur Gewinnbeteiligung berechtigt, hat man mit Aktien auch die Möglichkeit, auf eine bestimmte Preisentwicklung, d.h. auf steigende Aktienkurse als auch fallende Aktienkurse, zu spekulieren.

Normalerweise kauft man eine Aktie um von steigenden Preisen und einer Dividendenzahlung zu profitieren. Viele von euch haben schon davon gehört, dass es aber auch Menschen gibt, die bspw. über Put-Optionen auf fallende Aktienkurse setzen, wenn ein Börsencrash wie zur Corona-Zeit oder während der Dotcom-Blase als wahrscheinlich erachtet wird.

Wieder andere können an der Entwicklung des Preises einer Aktie teilhaben, ohne die Aktie überhaupt zu besitzen.  Für Einsteiger empfehle ich insbesondere meine Artikel Aktien Grundlagen und die optimale Diversifizierung bei deiner Geldanlage zu lesen. Denn die Möglichkeiten an der Börse sind sehr vielfältig und eine der wesentlichen Fragen, die dabei auftaucht, lautet: Wie kommt der Preis einer Aktie zustande?

Wie entsteht eigentlich ein Aktienkurs?

Grundsätzlich gilt: Aktienkurse spiegeln das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wider.

Was passiert, wenn der Aktienkurs fällt? Ist das Angebot sehr hoch, gibt es also viele Aktien bzw. es wollen viele Aktionäre ihre Aktien verkaufen, und die Nachfrage ist eher gering, dann fällt der Aktienkurs.

Wann steigt der Aktienkurs steigt? Ist die Nachfrage sehr hoch, es gibt also viele Leute die Aktien kaufen wollen bzw. es werden viele Aktien nachgefragt, das Angebot ist allerdings gering, dann steigt der Kurs.

Das XETRA Orderbuch

Alle Kauf- und Verkaufsaufträge werden im sogenannten Orderbuch des Maklers festgehalten. Aufgrund der oben geschilderten Gewichtung von Angebot und Nachfrage wird dann der Kurs ermittelt. Heutzutage sind Orderbücher nur noch in elektronischer Form zu finden. Allein die Masse an Aufträgen und das große Volumen führte dazu, dass ein elektronisches Orderbuch notwendig geworden ist. Das wohl berühmteste Orderbuch ist das Xetra-Orderbuch der Frankfurter Börse. Das Orderbuch ist online einsehbar.

Eine detaillierte Betrachtung der Orderbücher ist für Einsteiger an der Börse nicht nötig, da die großen AG wie z.B. die des DAX, TecDAX oder NASDAQ eine hohe Liquidität besitzen. Im Orderbuch befinden sich daher sehr viele größere Kauf- bzw- Verkauforder in einer kleinen Preisspanne von weniger als 2%. Erfahrene Anleger bzw. Trader können mit Hilfe der Orderbücher ein bisschen besser abschätzen, in welche Richtung sich der Kurs womöglich bewegen wird. Das liegt insbesondere daran, dass sehr große Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen den Kursverlauf einer Aktie kurzfristig deutlich beeinflussen können.

Der Aktienkurs entsteht durch Angebot und Nachfrage

Angebot und Nachfrage setzen also den Aktienkurs zusammen und bestimmen somit den Preis einer Aktie an der Börse. Diese Antwort würden wir vom Bankberater hören, aber sie beantwortet unsere Frage nicht vollständig. Wir möchten daher etwas anschaulicher vorgehen.

Vereinfachtes Modell zu Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Nehmen wir zwei Personen und zwei Institutionen an: den Käufer und den Verkäufer, die Bank und die Börse. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Kauf einer Aktie etwa den Charakter einer Wette hat: man wettet darauf, dass der Kurs der Aktie steigt und dadurch ein Gewinn erzielt wird. Damit diese „Wette“ zustande kommt, benötigt man jemanden, der dagegen hält. Das ist in diesem Fall der Verkäufer. Damit sich Käufer und Verkäufer überhaupt finden können, müssen sie sich auf einem „Marktplatz“ treffen, der Börse. Beide nennen nun der Börse ihren Wunschpreis. In der Realität übernimmt die Kommunikation mit der Börse unsere Bank oder unserer Broker.

Wie funktionieren Aktien und was genau beeinflusst den Aktienkurs an der Börse?

Aktienkurse aus Sicht von Käufer und Verkäufer

Nun stehen zwei Preise im Raum: der Angebotspreis (Briefkurs) und der Nachfragepreis (Geldkurs). Man kann sich gut vorstellen, dass die beiden Preise nicht immer übereinstimmen. Der Käufer möchte am liebsten weniger bezahlen, als der Verkäufer für seine Aktie erlösen will. Der Unterschied dazwischen wird „Spread“ genannt. Es gibt viele verschiedene Marktplätze an denen Wertpapiere gehandelt werden. Angenommen, wir wollen die Aktien von BMW kaufen, dann können wir das an den folgenden Börsen tun:

Aktienkurs
Preise der BMW Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt auf den verschiedenen Börsen. Quelle: ariva.de

Wir sehen, dass es eine Vielzahl an Handelsplätzen gibt, an denen wir die Aktie kaufen können. Was wir aber auch sehen ist, dass das gehandelte Volumen (Spalte Tag-Stk) sehr unterschiedlich ist. Die Aktie wird am Häufigsten an der Börse „Xetra“ gehandelt (über 2 Mio. Stück). Dieses Handelsvolumen nennt man auch „Liquidität“ der Aktie.

Man kann eine Aktie zum fairen Preis schneller kaufen bzw. verkaufen, wenn das Volumen und die Liquidität an dem Handelsplatz sehr hoch ist.

Während die Liquidität bei Xetra sehr hoch ist, ist sie an der Börse Berlin sehr niedrig. Dort wurden an diesem Tag gerade einmal 47 Stück gehandelt. Wer hier seine Aktie zu einem guten bzw. fairen Preis verkaufen will, muss entweder länger auf einen passenden Käufer warten, oder in den sauren Apfel beißen und seine Preisvorstellung nach unten hin anpassen.

Was sind Aktien? Aktien Grundlagen und Definition einfach erklärt für Anfänger – Börse und Aktienhandel

Aktienkurse entstehen analog wie andere Marktpreise

Aktienkurse setzen sich analog wie andere Preise zusammen. Der Kauf und Verkauf an einer Börse lässt sich anschaulich vergleichen mit dem Kauf oder Verkauf eines Autos. Wenn wir ein Auto verkaufen wollen, können wir es z.B. bei mobile.de oder autoscout24.de zu einem bestimmten Verkaufspreis inserieren.

Diese Handelsplätze werden auch „Börse“ genannt. Wir stellen das Auto mit unserer Preisvorstellung dort ein und warten auf einen Käufer der bereit ist diesen Preis zu bezahlen. Wenn sich kein Käufer meldet, müssen wir mit unserem Preis heruntergehen, oder länger warten und hoffen. Angenommen es meldet sich ein Käufer, dann können wir das Auto zum gewünschten Preis verkaufen. Wer einen VW Golf verkaufen will, wird auf eine höhere Nachfrage treffen als wenn er einen Lada verkaufen möchte.

Ein anschauliches Beispiel zu einer veränderten Nachfrage: Wer in Stuttgart wohnt und ein Dieselfahrzeug verkaufen möchte, wird vermutlich seine Preisvorstellung nach unten anpassen müssen. Die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen im Raum Stuttgart nach dem Diesel-Verkehrsverbot gesunken. Ist der Wert einer Aktie gesunken, weil das Unternehmen schlechte Ergebnisse abgeliefert hat, sinkt auch der Preis der Aktie.

Tipp: Mit Hilfe einer optimalen Diversifizierung in seiner Anlagestrategie, d.h. der Investition in eine Vielzahl an verschiedenen Aktien zu unterschiedlichen Zeitpunkten, kann man sein Risiko minimieren. Dies gilt im Speziellen auch bei der Währungsdiversifikation oder einer regionalen Diversifizierung.

Was bedeutet eine optimale Diversifizierung in deiner Anlagestrategie? Meine 5 Tipps zur Portfolio Diversifikation

Bei fallenden Aktienkursen gewinnen und Geld verdienen

Wie kann man auf fallende Kurse setzen, und Geld gewinnen wenn die Aktienkurse sinken? Wenn man das Prinzip der Preisgestaltung bei Aktien verstanden hat, kommt man zwangsläufig zu der Frage, wieso man nicht auch auf fallende Kurse setzen kann.

Warum gibt es Leerverkäufe?

Wie auch bei einer Wette, gibt es an der Börse die Möglichkeit, auf negative Ereignisse zu setzen, z.B. dass der Kurs einer Aktie oder eines Index fällt. Viele haben bereits von “Leerverkäufen” gehört, bei dem man Aktien verkauft, die man nicht besitzt.  So funktionieren Leerverkäufe: Man leiht sich lediglich für einige Tage oder Wochen eine Aktie von jemanden, der bereit ist gegen eine Gebühr zu Verleihen. Anschließend verkauft man die Aktie an der Börse und spekuliert darauf, sie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger kaufen zu können, um die Leihgabe zurückzugeben. Ist der Kursverlust der Aktie zum Zeitpunkt des Rückkaufs eingetreten, und liegt sie höher als die Leihgebühr, macht man mit dem Leerverkauf einen Gewinn.

Was sind Optionen? Erklärung und Definition von Put- und Call-Optionen Grundlagen

Derivate und Optionen

Mit “Derivate” und “Optionen” kann man auf fallende Kurse setzen kann. Das bedeutet nicht, dass man mit diesen Finanzinstrumenten nicht auch auf steigende Kurse setzen kann. Die Möglichkeiten sind vielfältig, und hiermit kann man insbesondere auch hebeln. Mit einem x5 Hebel könnte man fünf Euro gewinnen, obwohl der Aktienkurs nur ein Euro gefallen ist. Allerdings kann man genauso gut auch 5 Euro verlieren, daher raten wir dringend davon ab, als unerfahrene Anleger mit Derivaten, Optionen, Zertifikaten und Ähnlichem zu handeln. Die Preisermittlung und –entwicklung ist bei diesen Finanzinstrumenten komplexer und schwieriger nachzuvollziehen. Daher werden bei der Eröffnung eines Depots von seriösen Banken Fragen zur Anlegererfahrung gestellt, so dass dieses spekulative Anlageuniversum für den Einsteiger grundlegend ausgeschlossen ist.

Fazit zum Aktienkurs und wie er zustande kommt

Der Preis einer Aktie entsteht durch Angebot und Nachfrage. Damit sich beide Seiten finden, benötigt man eine Börse. Wenn sowohl Angebot als auch Nachfrage hoch sind, entsteht ein hohes Volumen durch die vielen Käufe und Verkäufe, die Liquidität ist hoch und die Preisfindung sehr schnell. Der Markt sucht und findet auf natürliche Weise einen fairen Preis. Im perfekten Fall bzw. in der Theorie nennt sich das vollkommener Markt.

Da es unterschiedliche Prognosen über die zukünftige Kursentwicklung von Aktien und das Zustandekommen von Aktienpreisen gibt, gibt es auch die Möglichkeit, auf fallende Kurse zu setzen. Hier sprechen wir von komplexen Finanzprodukten wie z.B. Put-Optionen.

Es ist grundsätzlich nichts auszusetzen auch auf fallende Kurse zu setzen (Short), allerdings raten wir Einsteigern an der Börse zu einer weniger riskanten Anlagestrategie wie z.B. die Dividendenstrategie, und insbesondere eine ausgewogene Portfoliodiversifikation. Gleichwohl muss man immer bedenken: wo es Gewinner gibt, gibt es Verlierer.

Weiterführende Artikel zum Thema Aktien

4.93/5 (154)

Bitte bewerte diesen Artikel von Finanzgrundlagen

Über Christopher Paprotka 17 Artikel
Christopher Paprotka ist ein Autor von Finanzgrundlagen. Wenn du ihn persönlich kontaktieren möchtest, schreibe ihm einfach eine Nachricht in den sozialen Netzwerken.

16 Trackbacks / Pingbacks

  1. Aktienanalyse lernen - Methoden und Kennzahlen - wie findet man gute Aktien?
  2. Aktien Kaufen einfach erklärt - Die WKN bzw. ISIN und die Kauforder
  3. Was ist Influencer Marketing – Auf wessen Kosten wird bei diesem Trend echtes Geld verdient?
  4. Gute Ideen lösen IMMER ein Problem deiner Zielgruppe - Persona Max (27) der Gründer
  5. BVB Aktie mit Kurs-Gewinnen von +60% möglich - Eine Kurz-Analyse 2018
  6. McDonalds Aktie schmeckt nicht so ganz - Analyse Dividende und Prognose 2018
  7. Dotcom Blase - eine Zusammenfassung der Krise: Das Platzen der .com Blase führte zum Börsencrash 2000
  8. BVB Aktie mit Kurs-Gewinnen von +60% in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten
  9. Was bedeutet eine optimale Diversifizierung in deiner Anlagestrategie? Meine 5 Tipps zur Portfolio Diversifikation
  10. Was sind Aktien? Aktien Grundlagen und Definition einfach erklärt für Anfänger - Börse und Aktienhandel
  11. Wie funktionieren Aktien und was genau beeinflusst den Aktienkurs an der Börse?
  12. Quartalsberichte Heute Abend um 22.15 garantieren eine ganz große Überraschung
  13. Gewinneinbruch nach Amazon Quartalszahlen Q2 2020 - News Live Ticker
  14. Aktueller Börsen News Ticker vom 03.08.20
  15. Jesse Livermore Trading Strategie mit der Trend Following Methode
  16. Börsennews Ticker für Heute, Dienstag den 11.08.2020 - DAX in Richtung 13.000

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*