ESMA Regulierung: Binäre Optionen sind nun verboten

Aktien Grundlagen zu verstehen ist keine Wissenschaft

Seit dem 2. Juli 2018 sind binäre Optionen gemäß einer neuen ESMA-Richtlinie in Europa verboten. Betroffen sind alle Broker inklusive ihrer Kunden, die in einem EU-Staat von der dortigen Finanzaufsicht nach den MiFID-Richtlinien der EU reguliert werden. Diese Faktoren müssen komplett zusammenkommen.

So gibt es Broker in EU-Staaten wie den in Bulgarien ansässigen Anbieter Finmax, die nicht von der nationalen Aufsichtsbehörde, sondern von einer anderen Organisation reguliert werden. Im Fall von Finmax ist das die russische Organisation IFMRRC, welche binäre Optionen nicht verbietet. Daher kann Finmax nach wie vor auch diese Handelsinstrumente anbieten. Der bekannteste Binäre Optionen Broker IQ Option hingegen bietet Optionen ab sofort nur noch außerhalb der EU an.

Welche Rolle spielt die ESMA?

Hierbei handelt es sich um die European-Securities and-Markets Authority, also die Europäische-Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde. Sie ist eine EU-Einrichtung und gibt die Richtlinien für die Regulierungen durch nationale EU-Finanzaufsichtsbehörden vor. Dabei kann sie auch direkte supranationale Verbote erlassen, wie das jetzt im Fall der binären Optionen geschehen ist. Die Aufgabe der ESMA besteht darin, die Integrität und Stabilität der Finanzmärkte zu steuern und dabei die Anleger zu schützen. Die Verantwortlichen der ESMA sind zur Auffassung gelangt, dass die meisten Privatanleger mit binären Optionen eher Geld verlieren. Daher verbietet sie diese aus ihrer Sicht überflüssigen Finanzmarktwetten.

Das Verbot ist heftig umstritten, denn selbst wenn binäre Optionen so etwas wie Glücksspiel wären – was sie nicht sind -, müsste ihr Verbot an Heuchelei grenzen: Das Glücksspiel verbietet niemand. Vielmehr schöpft der Staat in diesem Bereich hohe Steuern ab. Die ESMA verfügt jedoch über die juristischen Mittel für solche Verbote. Sie darf eine “Produktintervention“ anwenden und damit bestimmte Finanzprodukte verbieten. Auch nationalen Aufsichtsbehörden wie der BaFin steht dieses Mittel offen, es kommt nur höchst selten zum Einsatz. Allerdings scheint eine gewisse Regulierungswut bei den Aufsichtsbehörden um sich zu greifen, denn auch der Einsatz von CFDs wurde für Privatanleger eingeschränkt. Hier wurden bestimmte Hebelwirkungen und die Nachschusspflicht verboten.

Wie reagieren die Händler auf das Verbot?

Das polnische Fachportal “Comparic“ hatte schon im Vorfeld des Verbots eine Umfrage unter Tradern zum Verbot von binären Optionen durchgeführt. Das Ergebnis lässt aufmerken: Über 90 % der befragten Händler sprachen sich dagegen aus. Die ESMA hat ihrerseits im Vorfeld umfassende Befragungen durchgeführt und von rund 18.500 Marktteilnehmern Rückmeldungen erhalten. Darunter waren Fachleute aus Aufsichtsbehörden, Broker sowie institutionelle und private Händler. Auch wurden genaue Untersuchungen zur Gewinn- und Verlustentwicklung auf vielen privaten Tradingkonten durchgeführt. Diese Untersuchungen bestätigen in der Tat, dass die meisten privaten Händler mit binären Optionen eher Geld verlieren. Rund drei Viertel aller untersuchten Konten wiesen über den Zeitraum von mindestens einem Jahr Verluste auf.

Wie sind diese Untersuchungsergebnisse zu bewerten?

Es gibt keinen Grund, an der Seriosität der Untersuchungen zu zweifeln. Entscheidend ist aber die Interpretation dieser Verluste. Auch beim Trading mit anderen Handelsinstrumenten gibt es einen gewissen Prozentsatz von Händlern, die auf Dauer keine Gewinne erzielen können. Das liegt nicht an den Handelsinstrumenten, sondern am mehr oder weniger geschickten Umgang mit ihnen. Möglicherweise erscheinen binäre Optionen nur einfach, ihre Handhabung ist in Wahrheit wirklich komplex. Da es keine Möglichkeit des Risikomanagements per Stopploss gibt, können die Trader ihr Risiko nur mit der Positionsgröße steuern. Das will in der Tat verstanden werden. Weil die neuen Handelsinstrumente überwiegend noch zu wenig beherrscht werden, verbietet sie die ESMA nun kurzerhand. Das wirkt wie ein Schnellschuss.

Was können Trader tun?

Es ist möglich, auf Broker außerhalb des EU-Regulierungsbereichs auszuweichen. Zu nennen wäre auf jeden Fall Finmax. Natürlich können Trader auch auf andere Handelsinstrumente ausweichen (IQ Option beispielsweise bietet inzwischen u.a. auch CFDs an), doch um die binären Optionen wäre es in gewisser Weise schade. Ihr einfaches Handling wirkt bestechend. Es ist die einzige Klasse von Handelsinstrumenten, die sich wirklich komfortabel vom Smartphone aus einsetzen lässt.

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