Kirchensteuer – Austreten aus der Kirche und sparen!

Nur wer in der Kirche ist, ist auch ein richtiger Gläubiger? Das ist natürlich Unsinn, denn Glaube sollte niemals an finanzielle Zuwendungen gekoppelt werden. Die Kirchensteuer ist weltweit in kaum einem Land vorhanden, selbst in Ländern wie Polen gibt es sie nicht, obwohl der Glaube dort einen viel höheren Stellenwert hat, als in Deutschland. Allein in 2017 traten aus den zwei großen Kirchen über 350.000 Menschen aus  – dennoch stiegen die Steuereinnahmen der Kirchen aufgrund der guten Konjunktur und niedriger Arbeitslosenzahl. (Quelle)

Hintergrund zur Kirchensteuer

Historisch entstand die Kirchensteuer im 19. Jahrhundert. „Nach dem Koalitionskrieg gegen Preußen, Ende des 18. Jahrhunderts, mussten die weltlichen deutschen Fürsten ihre linksrheinischen Gebiete an Frankreich abtreten. Im Gegenzug erhielten sie Güter und Ländereien der Kirche, die bis 1803 vollständig enteignet wurde.“ (katholisch.de). Als Entschädigung für die Enteigung wurde schließlich die Kirchensteuer eingeführt. In den meisten anderen Ländern gibt es keine Kirchensteuer, dort finanzieren sich die Kirchen überwiegend durch Spenden und staatliche Zuwendungen aus dem Steuerhaushalt.

Die Höhe der Kirchensteuer – Kirchensteuer berechnen

Die Kirchensteuer ist eine sog. Annexsteuer, sie wird auf Basis einer anderen Steuer ermittelt. Je nach Bundesland werden somit 8 % (in BY und BW) bzw. 9 % (in allen anderen Bundesländern) der gezahlten Lohnsteuer für die Kirchensteuer erhoben.

Beispiel: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer mit 38.000 EUR Bruttoeinkommen im Jahr bezahlt knapp 5.600 EUR Einkommenssteuer (Lohnsteuer). In Bayern muss er demnach 448 EUR Kirchensteuer bezahlen. Immerhin: die Kirchensteuer lässt sich in der Steuererklärung als Sonderausgabe ansetzen und reduziert das zu versteuernde Einkommen, womit er einen Teil der Kosten zurück erhält.

Ein Arbeitnehmer mit 70.000 EUR Bruttoeinkommen (oder ein Ehepaar mit gemeinsamen Einkommen in selber Höhe) zahlt bereits 1.300 EUR Kirchensteuer im Jahr.

Kirchensteuer auf Kapitalerträge und Grundsteuer

Die Kirchensteuer wird ebenfalls auf Basis der Kapitalertragssteuer erhoben und schmälert somit zusätzlich den Ertrag. Ebenso gibt es in einigen Regionen in Deutschland eine Kirchengrundsteuer, d.h. eine zusätzliche Kirchensteuer auf die Grundsteuer A, sofern der Eigentümer kirchensteuerpflichtig ist.

Einen Kirchensteuer-Rechner für Kapitalanleger findet gibt es hier.

Kritik an der Kirchensteuer

Die Kirchensteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Kirchen in Deutschland, zusammen nehmen die beiden großen Kirchen mehr als 11 Mrd. EUR durch die Kirchensteuer ein.

Die Einnahmen durch die Kirchensteuer steigen, obwohl die Mitgliederzahlen sinken. Quelle: stastista.com

Kirchensteuer – Austreten aus der Kirche und Geld sparen

Die Abmeldung erfolgt ganz einfach durch Antrag im Einwohnermeldeamt. Leider ist die Abmeldung mit einer Gebühr verbunden, in meinem Fall hat das 20 EUR gekostet. Das Geld hat man schnell wieder „hereingeholt“, da künftig keine Kirchensteuer mehr entrichtet werden muss.

Dennoch sollte der Austritt überlegt sein. Als Folge des Austritts aus der Kirche hat man keinen Anspruch auf ein kirchliches Begräbnis, auch kann man oft nicht mehr als Taufpate fungieren oder kirchlich heiraten. Ausnahmen bestätigen hier jedoch die Regel.  In meinem Fall gab es ebenfalls einen Brief vom örtlichen Pfarrer, in dem mir die „Konsequenzen“ aufgezeigt und darum gebeten wurde, den Austritt rückgängig zu machen. Ebenso habe ich von einem Fall gehört, bei dem die Kirchensteuer der vergangene Jahre als Spende gefordert wurde, um wieder aufgenommen zu werden – sicherlich ist das aber keine gängige Praxis.

Ebenso kann es arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, sofern man Angestellter einer kirchlichen Organisation ist. Selbst im AGG, dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz, ist die Diskriminierung der Kirche ggü. Nichtmitgliedern verankert und darf somit stattfinden. (Wikipedia).

Wer die kirchlichen Einrichtungen dennoch unterstützen möchte, aber den Betrag unangemessen findet, kann in Form von Spenden seine Unterstützung ausdrücken. Diese können, sofern ein Beleg vorliegt, ebenfalls bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

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Redaktion von Finanzgrundlagen

4 Kommentare

  1. Hi Joerg,

    ja, an Gott liegt es nicht. Mich stören die Menschen, die Glauben ausnutzen, um Schlechtes zu rechtfertigen. Gott hasst keine Schwulen, er hat nichts gegen Moslems und selbst verirrte Schafe wie Straftäter landen am gleichen Ort wie jeder andere. Ich persönlich habe ein gutes Verhältnis zu „Gott“. Ich hatte viel Glück im Leben, wofür ich dankbar bin. Wobei Gott keine Person für mich ist. Ich glaube daran, dass die Erde ein großer Organismus ist und wir alle verbunden sind. Jeder hat seine Aufgabe auf der Erde, sowie auch unsere Körperzellen ihre Aufgabe haben.

  2. Über den Austritt denke ich schon lange nach. Nachdem ich in Kürze taufpate geworden bin, werde ich das sicherlich durchziehen. Derzeit zahle ich nicht viel, meine frau arbeitet wenig und wir haben zwei kinder.

    Die Kirche hat meinen glauben höchst selbst zerstört. Liest man mal das christliche glaubensbekenntnis…
    Ich glaube an Gott… ja ok
    An Jesus und die Auferstehung… kann man
    An die heilige christliche Kirche… WARUM? An eine Institution glauben? Dann kann ich aich an jede beliebige andere Firma glauben. Denn mehr ist die kirche an sich nicht. Ein gewinnorientiertes Unternehmen.

  3. Die Kirche wird zum Großteil von Steuergeldern finanziert. Kindergärten, Gebäude etc. die den Stempel „Kirche“ tragen, werden somit zum Großteil von allen Bürgern bezahlt.

    Ich bin 1 Jahr nach Ende des Studiums aus der Kirche ausgetreten. Das war für mich ein wichtiger Schritt um „erwachsen werden“. Meine Mutter hat uns gläubig erzogen, sodass ich prinzipiell auch an Gott geglaubt und gebetet habe. Mich hat allerdings die Diskriminierung anderer Religionen / Atheisten gestört. Als Jugendliche habe ich Kinder im Alter von 10 Jahren betreut, die querbeet gemischt waren. Ich denke nicht, dass es einen Gott gibt, der Leute in die Hölle schickt, wenn sie dem „falschen“ Glauben angehören, „gesündigt“ oder Suizid begangen haben. Der Gott, an den ich glaube, kennt keine „Bestrafung“.

    Jeder Mensch ist gleich viel wert. Jeder Mensch kann ein gutes Herz haben, egal welcher Religion er angehört. Religionen wurden vom Menschen geschaffen, um soziale Netze zu schaffen. Die Bibel wurde ebenso von Menschen geschrieben, um durch Schriftlichkeit Verbindlichkeit zu schaffen. Ein paar Menschen haben in der Vergangenheit und auch heute noch diese Gemeinschaft ausgenutzt, um Schlechtes zu tun. Gläubigkeit findet im Herzen statt, nicht auf dem Papier. Ich bin immer wieder entsetzt, dass wir Menschen uns für hochentwickelt und intelligent halten, aber uns gleichzeitig manchmal mehr Sorgen um das Leben nach dem Tod machen als das vor dem Tod.

    • Huhu Jenny,

      Jesus Christus hat dich lieb!

      Es ist schade, dass du von der „Kirche“ enttaeuscht wurdest.

      Vielleicht hilft dir dieses Youtube-Video (bzw gibt auch im empfehlenswerten Podcast von Johannes Hartl) ueber Beziehungen etwas darueber hinweg?
      https://www.youtube.com/watch?v=3hR64GCyOg0

      Ich zahle uebrigens auch keine Kirchensteuer sondern Spende lieber direkt.
      Leider haengt in den Grosskirchen das Gemeindeleben/lebendigkeit stark vom Leitungs(team/chef) vor Ort ab.
      Wenn’s dann nicht passt, kann man meist nur mit den Fuessen abstimmen … uns fuehrte der Weg in Freikirchen.
      Die Kirchensteuer verhindert Veraenderung bzw es fehlt ein direkter Anreiz/Malus-Trigger.
      (aehnlich wie Zombie-Firmen wegen niedriger Zinsen nicht/kaum/langsamer bankrott gehen koennen?)

      Aber wie gesagt. An Gott liegt’s nicht 😉

      LG Joerg

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