Ist ein Bausparvertrag sinnvoll?

Darüber ob ein Bausparvertrag sinnvoll ist oder nicht lässt sich lange diskutieren. Es gibt viele Gründe die für das Bausparen sprechen, es gibt allerdings auch beträchtliche Argumente gegen diese Form der Darlehen. Wie sehr oft bei Fragen rund um die privaten Finanzen ist die Antwort weder schwarz noch weiß; es kommt immer auf den individuellen Einzelfall an.

Funktion eines Bausparvertrages

Eigentlich ist die Grundfunktion eines Bausparvertrages relativ einfach. Es werden zwei verschiedene Phasen unterschieden, die Ansparphase sowie die Darlehensphase. Bausparverträge werden oft als ein Instrument zur Zinssicherung genutzt, da der vereinbarte Zins zu Anfang des Vertrages über die komplette Dauer des Bausparvertrages garantiert wird!

Wer einen „BSV“ bei einer der zahlreichen Bausparkassen (oder bei einer Bank) abgeschlossen hat, definiert eine Zielsumme die in Zukunft benötigt wird, z.B. 300.000€ für die Anschaffung einer selbstgenutzten Immobilie. In den folgende Jahren zahlt der Vertragsnehmer eine gewisse Zeit lang (im Schnitt sechs Jahre lang) einen bestimmte monatliche Sparrate. In dieser Ansparphase wird ein Bausparguthaben aufgebaut. Sobald ein bestimmter Anteil der Zielsumme bzw. eine bestimmte Ansparzeit (z.B sechs Jahre) erreicht ist, wird der Bausparvertrag „zuteilungsreif“, d.h. der Vertragsnehmer bekommt die Bausparsumme (bestehend aus dem Bausparguthaben + einem Bauspardarlehen) ausgezahlt und die Darlehensphase beginnt. Während der Darlehensphase wird das Bauspardarlehen gemäß den zu Anfang festgeschriebenen Konditionen getilgt.

Vorteile eines Bausparvertrages

Es gibt hauptsächlich drei große Vorteile von Bausparverträgen. Zum einen versetzt ein Bausparvertrag einen Bausparer in die Lage heutige Zinsen für die Zukunft zu sichern. In Zeiten niedriger Zinsen ist dies eine gute, weil planbare, Sache. Zum anderen sind die sonstigen Darlehenskonditionen vom Start weg klar strukturiert, es ist klar welche Tilgungsrate wann fällig wird. Außerdem haben Bausparverträge eine „Disziplinfunktion“. Wer heute schon weiß das er in einigen Jahren Geld für eine Immobilie benötigt wird durch die regelmäßige Sparrate des Bausparvertrages zum sparen „gezwungen“, auch wenn die Sparbeiträge oft flexibel in der Höhe veränderbar sind (dies hat natürlich Auswirkungen auf die Anspaziert die zur Zuteilung notwendig ist!).

Nachteile eines Bausparvertrages

Es gibt verschiedene Nachteile von Bausparverträgen. Selbstverständlich sind solche Vereinbarungen nicht umsonst. Es werden mindestens zwei Gebühren fällig, zum einen eine Abschlussgebühr, zum anderen eine jährliche Gebühr. Die Abschlussgebühr beträgt oft 1% der Bausparsumme und wird nicht in ihr Guthaben überwiesen, sondern direkt an die Bausparkasse gezahlt. Bei einer Bausparsumme von 100.000€ beträgt diese Gebühr also stattliche 1.000€!

Die jährliche Gebühr ist je nach Bausparkasse unterschiedlich und beträgt oft 10-20€ pro Jahr. Dafür bekommen Sie in der Regel auch regelmäßig eine Informationsmagazin mit verschiedensten News zum Thema Baufinanzierungen.

Der Zins mit dem das Guthaben von Bausparern verzinst wird („Guthabenszins“) ist regelmäßig sehr niedrig (aktuell meist 0,1%). Dies wird oft als ein weiterer Nachteil von Bausparverträgen aufgeführt. Die Auszahlung eines Bauspardarlehens ist oft an einen sog. „wohnwirtschaftlichen Zweck“ gebunden, d.h. wenn nach der Zuteilung kein Immobilienerwerb stattfindet sind die Kosten des Vertrages sinnlos verfallen. Hier unterscheiden sich allerdings die Bedingungen der verschiedenen Bausparkassen.

Es kommt darauf an!

Die oben beschriebenen Verträge haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Wenn Sie das zukünftige Zinsniveau zum Zeitpunkt Ihres Immobilienerwerbes kenn würden, könnten Sie leicht ausrechnen ob z.B. die Nachteile im Guthabenzins die Vorteile der Zinssicherheit aufwiegen. Da das zukünftige Zinsniveau allerdings immer unklar ist, sollten sich potentielle Bausparer verschiedene Fragen stellen (und ehrlich beantworten!) bevor sie die Unterschrift unter einen Bausparvertrag setzen.

Im Folgenden eine kurze Auflistung der wichtigsten Abwägungen:

– Wollen Sie in Zukunft eine Immobilie erwerben?
– Sind Sie der Meinung die aktuelle Zinssituation ist a) vorteilhaft und b) wird sich bis zu Ihrem Immobilienerwerb verändern?
– Fühlen Sie sich gut damit eine Baufinanzierung zu vereinbaren bei der die meisten Parameter flexibel (positiv formuliert) bzw. starr (negativ formuliert) sind?
– Welche sinnvollen Alternativen zur Anlage Ihres Geldes haben Sie?

Ob sich ein Bausparvertrag in Ihrer persönlichen Situation lohnt oder nicht müssen Sie am Ende selbst entscheiden. Vergleichen Sie verschiedene Alternativen und gehen Sie nur Verpflichtungen ein die Sie 100%ig verstehen. Die Frage: „Ist ein Bausparvertrag sinnvoll?“ kann also gut mit „es kommt darauf an!“ beantwortet werden.

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