Sparpotentiale identifizieren und umsetzen

In einem Artikel über das Haushaltsbuch ging es darum, eine Übersicht zu erstellen, um die Einnahmen und Ausgaben systematisch zu erfassen und anschließend Einsparpotentiale ausfindig zu machen. Um tatsächlich Einsparungen vornehmen zu können, kommt man oft nicht umher, liebgewonnene Gewohnheiten zu ändern. Verändern heißt dabei nicht, seine Situation zu verschlechtern. Eine Verschlechterung ist subjektiv, wenn man nur die Nachteile sieht und Vorteile ignoriert. Dennoch gibt es Phänomene, die der Sparsamkeit entgegenstehen, darunter:

  • Prestigedenken
  • Neid
  • Gewohnheits- und Suchtverhalten
  • Bequemlichkeit
  • Gutgläubigkeit
  • Risikoscheu

Nehmen wir als Beispiel den Kauf von Handschuhen. Was zunächst unsinnig klingen mag, kann bereits durch die oben genannten Phänomene beeinflusst werden und unsere Kostensituation unnötig belasten. Die Funktion von Handschuhen ist ziemlich eindeutig, sie sollen in erster Linie wärmen. Nun können verschiedene Phänomene gleichzeitig in Betracht kommen: Prestigedenken („Meine Handschuhe müssen von einer Marke sein“), Neid („Meine Freundin hat total schöne Handschuhe, meine müssen mindestens ebenso schön sein“), Bequemlichkeit („Der nächstgelegene Laden ist zwar meist teurer, aber ich habe keine Lust lange herumzulaufen“), Gutgläubigkeit („Der Verkäufer sagt mir, dass diese Baumwolle besonders gut warmhält“), Risikoscheu („Die Handschuhe in dem neuen Laden sind so günstig, die können gar nicht gut sein, das probiere ich erst gar nicht“).

Die Phänomene treffen in unterschiedlicher Art und Weise auf die meisten unserer Kaufentscheidungen zu. Oftmals unbewusst entscheiden wir uns nicht für das rational sinnvollste Produkt und oft sind wir nicht bereit, vermeintliche Umstände in Kauf zu nehmen, um Geld zu sparen. Auch hierzu ein Beispiel:  wenn wir ein Produkt für 15 EUR erwerben, würden wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen, wenn wir wüssten, dass es dieses Produkt in einem anderen Laden für 5 EUR gäbe. Wenn wir hingegen einen Laptop für 500 EUR kaufen, würden wir den Umweg nicht in Kauf nehmen um das gleiche Gerät in einem anderen Laden für 490 EUR zu erwerben. Die Ersparnis ist die selbe, aber die Relation ist eine andere.

Psychologische Besonderheiten hindern uns daran, sparsam zu sein.

Um effektiv Geld sparen zu können, müssen also bestehende Strukturen, Gewohnheiten und Präferenzen hinterfragt werden. Manchmal muss man etwas mehr Aufwand in Kauf nehmen, etwas mehr Zeit investieren. Wer den Artikel „Konsumrelevanter Nettolohn“ gelesen hat, wird schnell erkennen, dass es viel lohnenswerter ist, eine halbe Stunden zu investieren, um 10 EUR zu sparen, als für diese 10 EUR mehr als eine Stunde arbeiten zu müssen.

Sparsamkeit bedeutet nicht automatisch einen Verzicht auf Lebensqualität!

Sparmöglichkeiten über das Haushaltsbuch identifizieren

Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, was an Einsparungen möglich sein kann, zeige ich auf, wie ich anhand meines Haushaltsbuches vorgegangen bin. Jeder hat eine andere Lebenssituation, daher können sicherlich nicht alle Handlungsempfehlungen umgesetzt werden. Aber man darf es sich auch nicht zu einfach machen und ohne kritische Auseinandersetzung Veränderungen von vornherein ausschließen.

Miete

Eine kleine Wohnung kostet je m² in der Regel mehr, als eine große Wohnung. Wer alleine lebt, zahlt damit relativ viel Geld für Miete und Nebenkosten. Ich habe eine 3-Zimmer-Wohnung, von der ich ein Zimmer nicht benötige, also habe ich mich für einen Untermieter entschieden. Da ich in einer Studentenstadt lebe, war das kein Problem, aber auch woanders gilt: wer suchet, der findet. Das Schöne ist zudem, dass ich frei entscheiden kann, wer bei mir wohnt und ich die Regeln vorgebe. Dadurch bleibe ich immer flexibel und kann aber zeitgleich meine Kosten für Wohnen erheblich reduzieren.

Versicherungen

Je nach persönlicher Lebenssituation sind verschiedene Versicherungen sinnvoll oder nicht. Ich persönlich benötige keine Absicherung für Leben (Lebensversicherung) oder Berufsunfähigkeit. Grundsätzlich sind alle Versicherungen zu hinterfragen. Beispiel: benötigt man eine Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich? Was passiert im Fall des Falles? Reicht das Geld, das gezahlt wird oder werden gar staatliche Ansprüche damit gegengerechnet, sodass die Versicherung sich eigentlich gar nicht lohnt? Wie Wahrscheinlich ist, dass die Versicherung überhaupt bezahlt, ist es nicht eher wahrscheinlich, dass zunächst mühevoll geklagt werden muss? Wenn ja, besteht eine Rechtsschutzversicherung?

Das sind Fragen, mit denen ich mich beschäftigt habe. Hilfreich ist in diesem Fall die Auseinandersetzung mit den Vertragsbedingungen und gezielte Rückfragen bei der Versicherung. Es bringt nichts, sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen und weiterhin Geld für eine Versicherung zu bezahlen, die einem im Schadensfall nicht wirklich hilft.

Bei der Privathaftpflichtversicherung gibt es große Unterschiede einerseits bei den Beiträgen, andererseits bei der Schadenssumme, die abgedeckt ist. Hier kann es sinnvoll sein, den Tarif mit der besten Abdeckung zu wählen, selbst wenn man gar keine Ersparnis erzielt. Ratsam ist diese Versicherung in jedem Fall.

Strom

Wer ohne einen Strompreisvergleich noch immer beim örtlichen Versorger ist, zahlt vermutlich unnötig viel Geld für Strom. Hier lohnt ein Preisvergleich und Abschluss eines günstigeren Tarifs. Ein Stromanbieterwechsel ist deutlich einfacher, als ein Telefonanbieterwechsel. Es kann nicht passieren, dass man plötzlich ohne Strom in der Wohnung dasteht.

Auto und Mobilität

Das Auto ist mit Abstand einer der kritischsten Punkte. Von den meisten wird das Auto grundsätzlich gar nicht in Frage gestellt, es ist einfach immer da und wird immer da sein „müssen“. Von einigen wird es gar als sozialer Abstieg wahrgenommen, wenn kein Auto vorhanden ist. Im Artikel „Auto – Die tatsächlichen Kosten“ sind wir bereits auf den Kostenaspekt eingegangen, im Artikel „Leben ohne Auto – Gedankenspiele und ein Erfahrungsbericht“ habe ich beschrieben, wie ich seit Dezember 2015 ohne Auto lebe  und sehr gut damit (oder besser: ohne) zurechtkomme. Der Wegfall des eigenen Autos dürfte für viele die größte und zunächst „schmerzhafteste“ Veränderung sein – zeitgleich bietet es aber ein enormes Einsparpotential und eröffnet gänzlich neue Wege für alternative Möglichkeiten.

Telekommunikation/Smartphone

Viele schließen einen Vertrag über zwei Jahre ab und erhalten dazu, ggf. mit Zuzahlung, ein Smartphone.

Ich kaufe mir das Smartphone grundsätzlich selbst und hole mir einen günstigen Tarif ohne Gerät. Somit zahle ich im Monat 13 EUR für meinen Tarif, den ich zudem monatlich kündigen kann, falls ich irgendwo etwas besseres oder günstigeres finde. Ab und zu gibt es wirklich gute Vertragsangebote: Ich bekam für den Abschluss eines 2-Jahres-Vertrages bei der Telekom ein iPhone und ein iPad dazu. Die Grundgebühr betrug 50 EUR im Monat. Die beiden Geräte habe ich sofort weiterverkauft und somit die Grundgebühr auf rechnerisch 14 EUR reduziert. Ein Smartphone hatte ich sowieso schon.

Wer zuhause einen Festnetzanschluss hat, kann prüfen, diesen zu kündigen und einen reinen Internetanschluss zu bestellen. Da fast jeder Mobilfunktarif eine Flatrate ins Festnetz und Co. enthält, lohnt sich ein Festnetzanschluss meistens gar nicht mehr.

Abos

Wenn ein Abo nicht wirklich genutzt wird, kündigen. Falls es genutzt wird, prüfen, ob es nicht günstiger geht. Viele Abos kann man abschließen und erhält gleichzeitig eine Geld- oder Gutscheinprämie. Dadurch habe ich Zeitschriften wie National Geographic, Capital und Cicero zu weniger als 10 EUR pro Jahr erhalten.

Viel unnötiger Krempel liegt zuhause herum. Darunter viele Dinge, die wir teuer gekauft und dann doch nicht genutzt haben. © stokkete / Fotolia

Kleidung

Beispielsweise können Ausgaben für Kleidung reduziert werden, indem man bewusst und rational einkauft. Wer hinterfragt beim Kauf schon den langfristigen Nutzen? Oft genug trägt man ein neues Kleidungsstück nur sehr selten, die meiste Zeit bleibt es dann im Schrank – das ist verschwendetes Geld.

Essen (Privat und Arbeit)

Kosten für Lebensmittel sind in Deutschland außerordentlich niedrig, verglichen mit vielen anderen Ländern um uns herum und weltweit. Dennoch kann man es unnötig teuer haben, in dem man aus Bequemlichkeit alles im Supermarkt und nicht im Discounter einkauft. Wer einen Aldi in der Nähe, gut, wer einen Lidl in der Nähe hat, besser, den dieser führt mehr als doppelt so viele Produkte. Dadurch erspart man sich in den meisten Fällen den Weg zum Supermarkt und spart eine Menge Geld.

Wer in der Mittagspause in die Kantine oder woanders essen geht, gibt auch hier sehr viel Geld aus. Ein paar Tage selbstgemachtes und mitgebrachtes Essen reduziert die Kosten bereits enorm. Ich persönlich koche immer so viel, dass ich eine weitere Portion mit zur Arbeit nehmen kann und gehe nur noch 2-3x im Monat während der Mittagspause essen. Ersparnis? Über 1000 EUR im Jahr.

Urlaub

Beim Urlaub kann man ebenfalls sparen. Wer es sich einfach macht und Pauschalreisen bucht, bezahlt das Reisebüro mit. Wer selber bucht, ist einerseits in der Auswahl deutlich flexibler und kann zudem Geld sparen. Wichtig ist, zu vergleichen, denn Pauschalreisen können durchaus zu attraktiven Preisen angeboten werden. Ich übernachte fast nur in Hostels in Mehrbettzimmern und treffe dort auf zahlreiche interessante Leute (übrigens auch viele Paare und ab und an ältere, zuletzt einen 70-Jährigen) und spare zeitgleich mindestens die Hälfte, meistens noch mehr, an Übernachtungskosten. Das gesparte Geld gebe ich lieber für einen weiteren Urlaub aus. Nach mehr als 20 Hostels in unzähligen Ländern habe ich dort noch nie etwas negatives im Sinne von Gewalt oder Diebstahl erlebt. Für Frauen gibt es in vielen Hostels auch eigene Mehrbettzimmer.

Bei der Buchung achte ich immer auf Cashback und Bonusprogramme. Mehr dazu unter „Hotels mit Freinächten & Rabatt buchen und 18% sparen“. Wer das nicht nutzt, verschwendet unnötig Geld für die selbe Leistung.

Gebraucht kaufen

Ebenfalls eine Binsenweisheit. Wer versucht hat Möbel zu verkaufen, weiß, dass man oft froh sein kann, wenn jemand den Krempel kostenlos abholt. Wieso nicht selber davon profitieren und günstig gebrauchte Möbel kaufen? Einen Computer muss man ebenfalls nicht als Neugerät kaufen. Hier lässt sich 2-Jahre-alte Hardware zu einem Bruchteil des Preises kaufen – die Leistung reicht dabei für die allermeisten Anwender völlig aus.

Fazit

Kleinvieh macht auch Mist. Bei Sparanstrengungen verhält es sich genauso, gerade wiederkehrenden Ausgaben, seien sie noch so gering, summieren sich über die Zeit zu hohen Beträgen. Einige Kosten lassen sich relativ einfach senken, andere erfordern zum Teil viel Mut zur Veränderung. Wer nicht nur die vermeintlich negativen Aspekte sieht, sondern einer Veränderungen auch Positives abgewinnen kann, der kann wirksam und dauerhaft seine Kosten senken. Verzicht bedeutet nicht automatisch Verlust an Lebensqualität. Wer das verinnerlicht, kann mit wenig Aufwand sehr viel Erreichen und hat am Ende mehr vom Leben.

Beitragsfoto: © aleutie / Fotolia.

 

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