Hilfe bei Überschuldung privater Haushalte – Was tun?

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Was ist eigentlich Überschuldung?

Was ist eigentlich private Überschuldung genau? Vielleicht hat sich der eine oder andere schon die Frage gestellt, wann jemand tatsächlich überschuldet ist. Die Antwort ist nicht ganz einfach zu treffen, denn die Situation stellt sich für jede Person individuell anders dar. Werden Wirtschafts- und Finanzexperten zu diesem Begriff befragt, so sehen diese meist einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Ausprägungen bereits bestehender finanzieller Verpflichtungen. Sehr häufig wird der Begriff verwendet, wenn die Schulden nicht mehr aus dem üblichen Haushaltsnettoeinkommen bedient werden können. Auch wenn jemand Schulden macht, um bestehende finanzielle Belastungen zu begleichen, ist dieser Begriff richtig angewandt.

Ob Werbeprospekte, die ins Haus flattern oder verlockende Angebote im Internet – jeder ist mit vermeintlich attraktiven Konsumofferten konfrontiert, die oftmals gar nicht wirklich notwendig sind. Das neueste Smartphone? Die modernste Hi-Fi- und TV-Anlage für den perfekten Filmgenuss? Ein herrlicher Urlaub in der Karibik? Alles Dinge, die so anziehend wirken – und am Ende steht die Schuldenfalle, die oftmals die Existenz bedroht. Was soll man privat tun, wenn der finanzielle Rahmen nicht nur kurzfristig gesprengt wurde? Information und Rat gibt es für alle, die sich dazu aufraffen, genügend. Doch beginnen wir einmal von vorne.

Merkmale und Anzeichen einer Überschuldung

Wer sich jetzt fragt, ob er eventuell auch auf eine Überschuldung zusteuert, sollte sich fragen, mit welcher finanziellen Situation er sich auseinandersetzen muss. Typische Anzeichen dafür, dass jemand seine Finanzen nicht mehr im Griff hat, sind

– Mietrückstände
– Kündigung durch den Energieversorger
– Rückstände beim Telefonanbieter
– Sperre der Kreditkarte oder sogar deren Kündigung
– Rückständige Kreditraten
– Lohn- bzw. Gehaltspfändung
– Kontopfändung

Was ist der Unterschied zwischen Verschuldung und Überschuldung?

Die häufigste Fragestellung bei finanziellen Problemen lautet: bin ich einfach „nur“ verschuldet oder bereits überschuldet? Diese Frage ehrlich und vor allem realitätsnah zu beantworten, bedeutet den ersten Schritt zu einer sinnvollen Vorgehensweise für die Zukunft zu tun. Eine Verschuldung heißt einfach, dass jemand Schulden hat. Das kann ein bestehender Autokredit sein, ein Baudarlehen oder ein Dispokredit für das Girokonto. Das alles sind ganz normale Vorgänge im Alltag, die noch nicht besorgniserregend sind. Wer seine bestehenden Schuldenverbindlichkeiten mittels eigener vorhandener Finanzmittel regelmäßig zurückzahlt, hat mit seiner Verschuldung auch kein Problem. Kommt es bei der Rückzahlung der Verbindlichkeiten allerdings über einen zwei- bis dreimonatigen Zeitraum zu Beeinträchtigungen, ist die Überschaubarkeit seiner finanziellen Verbindlichkeiten in Gefahr. Dann stellt sich die Frage einer Überschuldung, die dringend einer Antwort bzw. einer Lösung bedarf.

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Überschuldung hat viele Gründe

Wer in Zahlungsnöte kommt, muss zeitgleich meist eine ungeplante Lebenssituation meistern. Arbeitsverlust, Krankheit oder Scheidung sind nur einige Gründe, die Personen wirtschaftlich aus der Bahn werfen können. Damit in Verbindung stehen dann oft Depressionen, Zukunftsängste oder Einbuße der Lebensperspektive. Auch der im elterlichen Haushalt erlernte Umgang mit Geld hat einen prägenden Einfluss auf die Zukunft des Kindes bzw. auf die Frage, wie sich dessen Umgang mit Geld auf das alltägliche Leben auswirkt.

Hilfe bei der Überschuldung bietet die Schuldenberatung

Auch wenn es vielen Betroffenen schwer fällt, ist der Gang zur Schuldenberatung eine sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen die Überschuldung. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass es sich um eine gemeinnützige Einrichtung handeln muss, um die Seriosität und die wirkliche Hilfestellung gewährleistet ist. Handelt es sich bei der Schuldenberatung um eine Institution, die auch eine Insolvenzberatung anbietet, muss eine Anerkennung durch das jeweilige Bundesland vorliegen. Diese kann von jedem Ratsuchenden zur Vorlage eingefordert werden. Neben Beratung und Information hinsichtlich der finanziellen Situation, ist eine Rechtsberatung meist dringend notwendig. Diese ist bei soliden Stellen durchaus vorhanden. Kaum eine Schuldenberatung ist am modernen Markt tatsächlich kostenlos, außer es handelt sich um karitative Betreiberorganisationen. Seriöse Institute machen den Schuldner auf die möglicherweise anfallenden Kosten jedoch im Vorfeld aufmerksam und halten diese auch schriftlich fest.

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Wie läuft eine Schuldnerberatung ab?

Grundsätzlich gibt es für eine professionelle Schuldnerberatung vier Phasen. Der erste Schritt besteht in einer außergerichtlichen Einigung. Dazu wird von jedem Gläubiger die aktuelle Forderung erfragt und im Anschluss eine Gesamtsumme der angehäuften Schulden eruiert. Sobald dieses Ergebnis vorliegt, kann der Schuldner selbst oder aber die Schuldnerberatung versuchen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Sehr oft lassen sich Gläubiger auf diesen Vergleich ein, da sonst die Option besteht, gar keine Rückzahlung des Schuldners zu erhalten. Sobald alle dem Vergleich zugestimmt haben, wird die drohende Privatinsolvenz für den Betroffenen hinfällig. Doch wenn sich auch nur ein Gläubiger weigert, dem Vergleich zuzustimmen, muss von einer außergerichtlichen Einigung Abstand genommen werden. Dann erfolgt der zweite Schritt der Schuldnerberatung, nämlich das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren.

Die Schuldnerberatung hilft professionell bei der Bewältigung einer Überschuldung.

Dazu benötigt der Schuldner eine gerichtliche Bescheinigung über das Scheitern der außergerichtlichen Einigung. Diese kann durch eine Schuldnerberatung oder einen Rechtsanwalt ausgestellt werden. Sobald diese vorliegt, kann ein Eröffnungsantrag bei Gericht gestellt werden. Eine Schuldnerberatung nimmt dem Betroffenen alle unangenehmen Dinge wie Gläubigerkontakte, bürokratische Abwicklung und weitere Maßnahmen ab. Abgesehen davon kann er sicher sein, dass die beauftragte Schuldnerberatung in seinem Sinne handelt.

Antrag auf Eröffnung

Der Antrag auf Eröffnung erfolgt durch das amtliche Formular gemäß § 311 InsO, zusätzlich müssen

– die Bescheinigung des Scheiterns der außergerichtlichen Einigung sowie
– ein Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung und
– eine Vermögensübersicht des Schuldners
– eine Forderungsaufstellung der angehäuften Schulden und
– ein Plan zur Schuldenbereinigung

vorgelegt werden. Das Gericht prüft in der Folge, ob der Antrag bewilligt wird. Ist dies der Fall, erhalten die Gläubiger den Schuldenbereinigungsplan. Innerhalb eines Monats müssen diese reagieren. Lehnt weniger als die Hälfte den Plan ab, kann immer noch das Gericht die Stimmen durch seine Zustimmung ersetzen. Wird der Plan akzeptiert, erfolgt vereinbarungsgemäß die Rückzahlung der festgelegten Summen an die Gläubiger. Sobald die Beträge zur Gänze beglichen sind, ist der Schuldner seine finanziellen Verpflichtungen los und kann ein schuldenfreies Leben beginnen.

Wie kann ich selbst meine Finanzen in den Griff bekommen?

Professionelle Hilfe anzunehmen, ist sicher ein wichtiger Schritt um aus der Schuldenfalle zu entkommen. Doch wer gar nicht erst in diese tappen möchte, kann durchaus eigene Maßnahmen ergreifen. Klar ist dabei, dass immer nur so viel ausgegeben werden kann, wie jemand auch einnimmt. Das ist die wichtigste Regel. Dazu kommt, dass Maßnahmen wie

Haushaltsbuch führen
Kosten reduzieren
– wenn möglich Einnahmen steigern durch Überstunden, Nebenjob etc.
sparen
– auf alles Unnötige verzichten

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Es macht auch Sinn, zu kontrollieren, ob Zahlungsaufforderungen auch tatsächlich berechtigt sind. Ein Zahlungsplan, der vorsieht, immer zuerst Miete, Energie, Heizung und andere anfallenden Nebenkosten zu bezahlen, hilft, finanzielle Notlagen zu vermeiden. Anschließend kann eine Planung der Cash-Mittel sinnvoll sein, also den Betrag an Bargeld festzulegen, der notwendig ist für Lebensmittel, Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs. Ein wichtiger Schritt, um aus der Schuldenfalle zu kommen, ist der, keine neuen Schulden zur Begleichung der alten zu machen.

Finanzielle Fixpunkte, die unabdingbar sind

Unabwendbare Schulden müssen in jedem Fall von dringlichen Verbindlichkeiten getrennt werden. Zu ersterem zählen lebenswichtige Ausgaben wie die Miete bzw. Kreditrate bei Eigentum, Gas bzw. Strom und Lebensmittel bzw. gegebenenfalls Geldstrafen. Bei letzteren können sonst Ersatzhaftstrafen drohen. Es macht Sinn, sich mit den Gläubigern in Notfällen immer wieder auszutauschen bzw. sich auf Zahlungsmodalitäten zu einigen. Übrigens zahlen selbst Firmen untereinander nicht immer pünktlich. Niemand muss sich also dafür schämen, nach einer kurzfristigen Stundung der Schulden oder einer Ratenzahlung zu fragen.

Finanzielle Belastungen prüfen

Alle finanziellen Aufwendungen, die nicht zur Sicherung der Existenzgrundlage zählen, müssen auf ihre Notwendigkeit überprüft werden. Dazu zählen Versicherungen, bei denen die Frage erlaubt sein muss, welche tatsächlich für die jeweilige Lebenssituation notwendig sind. Vielleicht gibt es auch günstigere Optionen oder die Möglichkeit, den Vertrag für einen bestimmten Zeitraum auszusetzen. Ähnliches gilt für einen Handyvertrag. Dieser ist auf seine Effizienz zu prüfen, mit anderen Anbietern zu vergleichen und gegebenenfalls zu kündigen. Ein kleiner Schritt aus der Schuldenfalle kann der Umstieg auf ein Prepaidhandy sein, bei dem die Kosten immer im Blick sind. Auch etwaige bestehende Abos von Zeitschriften, Pay-TV etc. sollten einer Prüfung unterzogen werden. In unserer Kategorie „Ausgaben & Sparen“ finden sich viele praktische Möglichkeiten, wie man auch ohne großen Verzicht wirksam sparen kann.

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Einfache Sparmaßnahmen im Alltag

Ein häufiger erster Schritt in das finanzielle Desaster ist der Dispokredit beim Gehalts- oder Girokonto. Ist dieser regelmäßig belastet, stellt er aufgrund der hohen Überziehungszinsen eine wesentliche finanzielle Belastung dar. Wer sein Konto dauerhaft und regelmäßig kurzfristig überzieht, sollte sich überlegen, auf ein Annuitätendarlehen umzuschulden. Die günstigen Zinsen sind hier ein nicht zu unterschätzender Vorteil, der das Konto wieder ins Plus bringt. Eine einfache und sinnvolle Maßnahme ist auch, sämtliche Onlinekäufe bei finanzieller Notlage zu stoppen und den täglichen Bedarf an Lebensmitteln durch Einkauf mit einer Liste zu decken. Wer beim Einkauf noch dazu auf sogenannte „Bückware“, also Lebensmittel und Waren, die nicht auf Augenhöhe im Regal sind, achtet, kann zusätzlich sparen.

Kosten eines Verbraucherinsolvenzverfahrens

Wer sich in der Situation einer Überschuldung befindet, möchte meist wissen, was in der Folge auf ihn zukommt. Die Kosten für das sogenannte Verbraucherinsolvenzverfahren liegen zwischen 1500 Euro und 2500 Euro. Diese können zwar unter bestimmten Voraussetzungen zwar gestundet werden, müssen aber in jedem Fall früher oder später bezahlt werden.

Pfändungen von Gläubigern – was darf der Gerichtsvollzieher mitnehmen?

Überschuldet und nicht rechtzeitig Beratung bzw. Hilfe angenommen? Dann greifen Gläubiger durchaus zu strikten Mitteln wie einer gerichtlichen Pfändung. Wer arbeitet bzw. ein regelmäßiges Erwerbseinkommen hat, kann sich dabei auf die gesetzlichen Pfändungsfreigrenzen berufen. Sämtliche Gegenstände, die zur angemessenen Haushaltsführung notwendig sind, dürfen nicht gepfändet werden. Dieser Grundsatz gilt im Übrigen auch für das Insolvenzverfahren. Wer allerdings ein Guthaben aus Sparverträgen oder kapitalbildenden Lebensversicherungen oder Bausparverträgen besitzt, der muss diese auflösen und zur Schuldentilgung zur Verfügung stellen. Ein günstiges Auto darf der Schuldner behalten, vorausgesetzt, er benötigt es für die tägliche Fahrt zur Arbeit.

Fazit Überschuldung

Eine Überschuldung kann vielerlei Hintergründe haben, oftmals treten viele unglückliche Umstände auf einmal ein, aber häufig ist es auch das eigene Konsumverhalten, dass kritisch hinterfragt werden muss. Wichtig ist in jedem Fall, das Problem nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern rasch zu handeln und ggf. Hilfe einer Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen.

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Redaktion von Finanzgrundlagen

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel!
    Mir gefällt, wie der Artikel die verschiedenen Belange gut beschreibt, mir sehr gut nachvollziehbarer Struktur.
    Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die unverhofft in eine missliche Lage geraten, durch Jobverlust oder Krankheit. Und dann hilft ein derartiger Ratgeber!

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