Private Kreditvergabe

Finanzblogroll im Interview

In dem heutigen Artikel wollen wir uns mit dem Thema der privaten Kreditvergabe beschäftigen. Zahlreiche TV-Spots werben damit, dass diese Art der Kreditvergabe eine risikolose und renditeträchtige Anlagealternative ist. Schaut man sich die Webauftritte der Werbenden an, fällt vor allem auf, dass mit sehr hohen Renditen und Transparenz geworben wird.

Grundsätzlich ist die Idee, Kredite an zahlungsschwache Personen zu vergeben, lobenswert und -zumindest kurzfristig- für alle Beteiligten von Vorteil. Betrachtet man dieses Geschäftsmodell allerdings etwas genauer fällt auf, dass besonders diejenigen profitieren, die das geringste Risiko hierbei eingehen.

Die Plattform tritt in diesem absurden Spiel als eine Art Vermittler auf, ihre Profite erzielen sie in der Regel durch Abschlussprovisionen. Bei einer bekannten Vergabeplattform können sich die Zahlungsschwachen zur Schau stellen und ihr Anliegen näher erläutern.

Sie schreiben den benötigen Betrag und den Grund für ihren Zahlungsengpass nieder. Nachdem sie den maximal zu zahlenden Zinssatz ausgewählt haben können sich Anleger ihrer Sache annehmen. In der Regel finanzieren immer mehrere Personen mit kleinen Zahlungen das gesamte Kreditvolumen.

Soweit zum Ablauf einer Kreditanfrage. Jetzt stellen sich für mich allerdings noch ein paar Fragen.

Warum sollte ich an jemanden einen Kredit vergeben, der offensichtlich bei den Banken und anderen mehr oder weniger seriösen Kreditgebern keinen Fuß mehr in die Tür bekommt? Die angebotenen Zinsen sind zwar überwiegend im unteren zweistelligen Bereich, allerdings muss man kein Genie sein um zu merken, dass das Risiko eines Totalverlustes des Investments doch deutlich zu hoch ist.

Auch ist mir bei meiner Recherche doch ziemlich oft aufgefallen, dass die Kreditnehmenden in ihrer Beschreibung um Ausreden, wie es zu dieser Misere kam, nicht verlegen sind. Hinzu kommt dann noch, dass der angezeigte Schufa-Score angeblich falsch sei und man sich dieses überhaupt nicht erklären könne.

Seriös und überzeugend klingt -zumindest für mich- anders.

Hinzu kommt für mich noch ein ethischer Aspekt, welcher mich gegenüber dieser Art von Kreditvergabe sehr stört. Ohne jetzt zu weit in eine Diskussion über die ethischen Zwiespalte von Kreditvergabe und Zinsnahme abzurutschen, möchte ich dennoch probieren, meine Bedenken über dieses System zu erklären.

Ich verstehe nicht, wie man Personen, welche -offensichtlich- nicht mit Geld umgehen können die Eigenständigkeit zusprechen kann, dass sie die Höhe ihres Zinses selbst festlegen können. Das ist für mich so, als würde man einem Abhängigen den Zugang und die Mengen zu seinen Drogen vollkommen selbst überlassen. Am Ende des Monats würde man dann sagen, dass er entweder jetzt seine fälligen Raten bezahlt oder man würde kommen und alles Pfänden was sich zu Geld machen lässt.

Was ich damit sagen will ist, dass dieses System für den Kreditnehmer solange gut geht bis er seine Raten nicht mehr bezahlen kann. Dieses ist bei allen anderen Kreditnehmern, welche nicht auf die private Kreditvergabe angewiesen sind, zwar auch so, allerdings haben diese vorher bewiesen, dass sie Vermögenswerte geschaffen haben und somit mit Geld umgehen können.

Die private Kreditvergabe ist ein spannendes und umfangreiches Thema. Vielleicht schreibe ich in naher Zukunft noch einen Artikel über dieses.

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Über Jakob 183 Artikel
Jakob ist Autor von Finanzgrundlagen.de

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