Return on Investment erklärt – So funktioniert die Kapitalrendite-Formel

Je nach Situation fällt der ROI verschieden hoch aus

Eine Investition lohnt sich nur dann, wenn für den Anleger etwas dafür herausspringt. Eine Binsenweisheit, keine Frage, die sich allerdings noch ein gutes Stück weiter ausbauen lässt. Denn auch eine kleine Rendite ist zweifellos eine Rendite – aber stellt sie den Investor auch zufrieden? Mit dem ROI, dem Return of Investment, lässt sich der Gewinn im Bezug zur Investition konkret beziffern und mit anderen Anlagemöglichkeiten direkt vergleichen. Im folgenden Artikel zeigen wir euch anhand von Beispielen wie es funktioniert, doch zunächst zu den Grundlagen.

Was ist ein Return of Investment?

„Return of Investment“ heißt übersetzt ganz einfach: »Rückkehr der Investition«. Er beantwortet also die schlichte Frage: Was habe ich von meiner Geldanlage? Wer die Rechnung anzuwenden und die Zahlen zu deuten weiß, wird mit dem ROI zumindest in gewisser Weise herausfinden, ob sich seine Investition bezahlt gemacht hat oder nicht. Aufgrund dessen, dass die Berechnung auch ohne besondere mathematische Schnörkeleien absolut leicht vonstattengeht, lässt sie sich auch von Laien problemlos anwenden. Doch klammert sie damit natürlich auch einige Komponenten aus, die trotzdem ins Gewicht fallen. Wer den ROI mitsamt seinen Vorteilen und Unzulänglichkeiten kennt, wird ihn zu seinen Gunsten nutzen können.

Beispiel 1: So berechnet ein Gärtner den ROI für sein neues Gewächshaus

Um den Return of Investment zu berechnen, müssen zwei verschiedene Zahlen zur Verfügung stehen: die Summe des gesamten Kapitaleinsatzes und der Gewinnanteil. Am folgenden Beispiel lässt sich gut erkennen, wie der ROI funktioniert:

Ein Gärtner überlegt sich, ein neues Gewächshaus zu bauen, um seinen selbst gezogenen Pflanzenbestand zu vergrößern. Das Gewächshaus würde ihn 12.000 Euro kosten, darin kann er pro Jahr 1600 Pflanzen ziehen, die ihm jeweils einen Gewinn von 2,30 Euro bringen. Im Jahr macht er, wenn er alle Pflanzen verkauft, also einen zusätzlichen Gewinn von 3.680 Euro. Der ROI für das erste Jahr errechnet sich folgendermaßen:

  • Kapitaleinsatz: 12.000 Euro
  • Gewinnanteil für ein Jahr: 3.680 Euro
  • ROI: 3.680 : 12.000 = 0,31 (bzw. 31%)

Nach 10 Jahren sieht der ROI schon viel erquicklicher aus:

  • Kapitaleinsatz: 12.000 Euro
  • Gewinnanteil für 10 Jahre: 36.800 Euro
  • ROI: 36.800 : 12.000 = 3,01
Darf der Gärtner mit diesem Gewächshaus einen ordentlichen Gewinn erwarten?

Nach 10 Jahren hat sich das Gewächshaus also deutlich bezahlt gemacht, der daraus gezogene Gewinn ist etwa dreimal so hoch wie die ursprünglich getätigte Investition. Nun kann der Gärtner noch berechnen, inwieweit es sich lohnt, statt des 12.000-Euro-Gewächshauses eines für 15.000 Euro zu kaufen, das den Anbau von 2.000 Pflanzen pro Jahr ermöglicht. Wird sich diese Investition schneller amortisieren? Und wie sieht der ROI nach 10 Jahren aus?

Dieses Beispiel ist natürlich stark vereinfach, beispielsweise werden Zinsen auf das eingesetzt Kapital (Opportunitätszinsen) nicht berücksichtigt, auch wird die Inflation außen vorgelassen.

Beispiel 2: So berechnet der Casinospieler und die Casinos ihren ROI

Nicht jede Investition zahlt sich direkt aus. Casinos können in dieser Hinsicht als passendes Beispiel dienen, denn durch den Hausvorteil sichert sich die Bank auf lange Sicht die Oberhand. Und doch besitzt der Spieler die Chance auf eine lohnenswerte Rendite, wenn er sich im entscheidenden Moment aus dem Spiel zurückzieht. Im Blackjack beispielsweise erhält jeder Teilnehmer etwa 98%-99,8% der getätigten Spiel-Einsätze zurück – statistisch gesehen. Wenn ein Spieler bei einem seiner Casinobesuche 100 Euro investiert, aufgeteilt auf 10 Wettrunden, und einen Profit von 50 Euro erwirtschaftet, so hat er für diesen Abend einen positiven ROI erwirtschaftet.

  • Kapitaleinsatz: 100 Euro
  • Gewinnanteil für den Abend: 150 Euro
  • ROI: 150 : 100 = 1,5

Alle Zahlen, die über 1,0 hinausgehen enthalten einen realen Gewinn – damit macht sich der Einsatz rein rechnerisch für diesen Abend bezahlt. Entscheidet der Spieler sich allerdings, für den Rest des Jahres einmal pro Woche wiederzukommen und jedes Mal 100 Euro zu investierten, steht der ROI in den Sternen. In diesen Geschäftszweig macht eine Vorausberechnung des Profits eher für das Spielcasino selbst Sinn, das damit überschlagsmäßig bestimmt, welche seiner Spiele einen hohen Return of Investment für den Betreiber aufweisen – und welche eher nicht.

Beispiel 3: Gewinn nach einer ausgiebigen Marketing-Aktion

Auch ein teures Influcencer-Marketing-Konzept gehört in den Bereich der Investitionen, es dient dazu, den Umsatz – und damit auch den Gewinn – zu vergrößern. Bei der Vorausberechnung spielen Erfahrungswerte eine große Rolle: Wie haben sich ähnliche Werbeprojekte in der Vergangenheit ausgewirkt? Wie hoch ist der Zielgruppenanteil, der damit erreicht werden kann? Und welcher Prozentsatz der erreichten Menschen wird am Ende das beworbene Produkt tatsächlich kaufen? Hinterher ist man immer schlauer, dann lässt sich der ROI nicht nur rein statistisch ermitteln, sondern ganz konkret errechnen. Zuerst ein Blick auf die Wunschvorstellungen des Unternehmens:

  • Kapitaleinsatz: 300.000 Euro
  • Gewinnanteil für das folgende Jahr: 500.000 Euro
  • ROI: 500.000 : 300.000 = 1,67

Die Firma entscheidet sich, diese Marketing-Strategie zu verwirklichen und hofft sogar noch darauf, auch in den Folgejahren einen höheren Gewinn einzufahren. Schließlich genießt das betreffende Produkt nun einen besonderen Bekanntheitsgrad. Doch die Realität sieht dann folgendermaßen aus:

  • Kapitaleinsatz: 300.000 Euro
  • Gewinnanteil für das folgende Jahr: 250.000 Euro
  • ROI: 250.000 : 300.000 = 0,83

Im ersten Jahr hat sich die Investition also nicht ausgezahlt, doch die Nähe zur 1,0 lässt erahnen, dass vielleicht im Jahr darauf ein Gewinn aus diesem Geschäft eingefahren wird. Die Geschäftsführung versucht es nach zwei Jahren mit einer erneuten Berechnung:

  • Kapitaleinsatz: 300.000 Euro
  • Gewinnanteil für zwei Folgejahre: 380.000
  • ROI: 380.000 : 300.000 = 1,27

Ja, nach zwei Jahren lässt sich ein positiver ROI feststellen, der allerdings nicht ganz so hoch ausfällt, wie es in der Vorausberechnung der Fall war. Wahrscheinlich wird es sich die Firmenleitung beim nächsten Mal sehr gründlich überlegen, ob sie diesen Weg noch einmal geht.

Je nach Situation fällt der ROI verschieden hoch aus

Wie sinnvoll ist der ROI in der Realität?

Wie bereits erwähnt, stellt diese einfache Formel kein perfektes Instrument dar, um Gewinnmargen konkret einzuschätzen. Zuerst einmal lässt sich auch ohne diesen Rechenschritt an den nackten Zahlen ersehen, ob sich ein Geschäft tatsächlich lohnt oder nicht – nur der Vergleich von unterschiedlichen Investitionen und verschiedenen Renditehöhen wird mit dem Return-of-Investment-Wert erleichtert.

Nebenbei ist der ROI nicht zeitlich definiert, in den obigen Beispielen musste der Zeitraum stets beigefügt werden, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Doch ob eine Investition sich tatsächlich lohnt, hängt in vielen Geschäftszweigen stark davon ab, wie viel Zeit vergeht, bis sich das angelegte Geld amortisiert. Nicht jede Summe ist beliebig lange frei verfügbar, ein aufgenommener Kredit muss zurückgezahlt werden oder der Betrag ist nach drei Jahren schon wieder anderweitig verplant. Geduldiges Warten, bis der ROI sich vielleicht doch noch erholt, ist oftmals nicht „drin“.

Die Anstrengungen, die der Unternehmer auf sich nimmt, um eine Investition zu verwirklichen, zeichnen sich ebenfalls nicht im ROI ab. Der Gärtner, der am Gewächshaus selbst mit Hand anlegt, der die neuen Pflanzen hegt und pflegt und vielleicht auch zwischendurch Reparaturen durchführen muss, ist in jedem Fall zeitlich mehr belastet als vorher. Übernehmen die Arbeiten Angestellte, so lässt sich dies im Form von Gehältern aus dem Gewinnanteil herausrechnen, doch eigene Handarbeit ist schwierig zu beziffern.

Das 3. Beispiel zeigt eine weitere Schwierigkeit auf: Der direkte kausale Zusammenhang zwischen Kapitaleinsatz und Gewinn ist nicht immer exakt festzustellen. Vielleicht wären die Umsätze auch ohne besonderen Marketingaufwand gestiegen, oder, noch schlimmer: Eventuell hat die Werbung sogar Kunden verschreckt, und das Geschäft könnte ohne diese Aktion noch viel besser laufen.

Fazit

Einfachen und schnell herbeigezauberten Zahlen ist in der Geschäftswelt kaum zu trauen. Wer sich mit dem ROI auskennt, nutzt ihn zur groben Orientierung, steigt aber auf jeden Fall tiefer in die Materie ein, sobald es finanziell wirklich ernst wird. Nicht zu verachten sind bei längeren Zeiträumen z.B. die entgangenen Zinsen (Opportunitätszinsen) auf das eingesetzte Kapital, die als zusätzlicher Kostenfaktor mit einbezogen werden müssten. Zeitgleich müssen zukünftig angenommen Erträge auf den heutigen Tag abdiskontiert werden, üblicherweise mit der Inflationsrate und die Annahmen für den Gewinn müssen fundiert ermittelt und belastbar sein.

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1 Kommentar

  1. ROI = Return on Investment

    Soll heißen: Wie viel bekomme ich für meine Investition. (Wir erinnern uns: Rendite ist die Belohnung für Risiko)

    Dagegen heißt Return of Investment einfach nur, dass man seine Investition zurück bekommt. Daher auch der alte Witz, dass der risikobehaftete Teil des Portfolios für den Return on Investment zuständig ist, der risikoarme Teil des Portfolios dagegen für den Return of Investment.

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