Geldanlage in Österreich und Deutschland: Über Aktien und die beste sichere Geldanlage Sparbuch

Vergleich der Renditeentwicklung zwischen den beiden Geldanlagen Aktien (DAX) und Sparbuch

Was ist die beste und sicherste Geldanlage überhaupt? Sind es Aktien oder doch eher das Sparbuch? Keine Frage, auch wir Österreicher betreiben Geldanlage. Doch wirkliche Begeisterung für das Thema, vor allem im Bereich Aktien, will nicht so recht aufkommen. Soweit zumindest der subjektive Eindruck meines österreichischen Co-Autors. Doch entspricht dies tatsächlich auch der Realität oder ist es nur eine verzerrte Wahrnehmung im so sensiblen Thema Geldanlagen?

In diesem Artikel gehen wir der Aversion gegen Aktien in Österreich und Deutschland auf die Spur. Dabei ziehen wir auch einen Vergleich zum so beliebten Sparbuch – die sicherste Geldanlage.

Wo liegt die Ursache des Ganzen Übels? Wir freuen uns über deine Kommentare und Erfahrungen.

Über die sichere Geldanlage Sparbuch und die Aktionärsquote 2018

Zuallererst möchte ich auf zwei Dinge eingehen, welche ich getrennt betrachte: Eine echte Geldanlage und das sichere Sparen sind zwei verschiedene Dinge!

Sparen ist auch 2018 noch eine sichere Form der Geldanlage

Natürlich ist es so, dass auch Sparen eine Form der Geldanlage darstellt. Wirklich warm werde ich damit jedoch nicht, was hauptsächlich daran liegt, dass Sparen in der heutigen Zeit aufgrund der niedrigen Zinsen in Kombination mit der steigenden Inflationsrate das Geld eher weniger werden lässt als es zu vermehren.

Eine ineffektivere Form der Geldanlage als das Sparbuch lässt sich wohl kaum finden.

Warum ist das so? Das erklären und beweisen wir in einem separaten Artikel Sparbuch

Laut einem Artikel der „Presse“ aus dem Jahr 2017 planen mehr als 80% aller Österreicher ihr Geld anzulegen. Unter den 30-49-Jährigen liegt die Quote sogar bei 90%

Betrachtet man die reinen Zahlen, könnte man also meinen, dass Österreich ein richtig anlagebegeistertes Land ist. Was dabei allerdings zu berücksichtigen ist, ist die Art der Finanzprodukte. So wird bei einem Großteil der befragten unter „Geldanlage“ das bereits angesprochene, klassische Sparbuch bzw. das verwandte „Bausparen“ verstanden. Das sind sogenannte sichere Geldanlagen. 

Was dann schon interessanter ist und für mich auch wirklich in die Kategorie „Geldanlage“ fällt, sind Finanzprodukte wie Aktien, Fonds, ETF’s und Anleihen. Genau bei diesen interessanten und besten Geldanlagen sieht es dann aber leider alles andere als gut aus.

Die Aktionärsquote in Deutschland und Österreich beträgt 2018 lediglich 5 bis 7%

Die Aktionärsquote, also der Anteil der Einwohner, die in Aktien investiert sind, beträgt in Österreich 5-7%, was übrigens auch der von Deutschland entspricht. Andere westliche Länder liegen da schon deutlich darüber. Beispielsweise hält sich die Schweiz bei konstanten 20%. Aber auch Schweden ist mit 19% gut dabei. Eine der höchsten Quoten hat die USA mit aktuell ca. 25%. Doch auch hier gab es einen bemerkenswerten Rückgang zu verzeichnen, lag diese doch einst mal bei phänomenalen 56%.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion%C3%A4rsquote

Was man also eindeutig feststellen kann, ist, dass es in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern keine wirkliche Aktienkultur gibt, was mich zu der Frage gebracht hat, woran das liegen mag. Wenn man in Österreich das Thema Aktien anspricht, wird man meist verhaltenes Schweigen ernten oder einen Kommentar wie

„Aktien? Viel zu riskant! Mein Geld ist auf dem Sparbuch besser aufgehoben!“

Warum mögen Österreicher und Deutsche keine Aktien?

Schlechter Ruf von Aktien: Zockerpapier und Teufelszeug

Der Grund für diese Meinung kann manchmal erschreckend einfach sein: Aktien haben seit jeher keinen guten Ruf. Den Begriff „Zockerpapier“ hört man hier oft und die Finanzkrise 2008 hat es nicht besser gemacht. Quasi von einem Tag auf den anderen gab es Abschläge von 30%, 40% oder auch 50% zu verbuchen.

Wer Geld im Aktienmarkt hatte, musste einige Federn lassen. Wer kein Geld in Aktien hatte, schwor sich, nie in dieses „Teufelszeug“ zu investieren. Diese Meinung ist in Deutschland übrigens in ähnlicher Form vorzufinden.

Lesetipp: Wo und wie soll ich nur mein Geld anlegen?

Dotcom Blase als Ursache für schlechte Erfahrungen?

Erst letztens hatte ich mich mit einem befreundeten Trader über dieses Thema unterhalten, der diese These untermauert hat. Seiner Meinung nach hat die erste große Abneigung gegen Aktien in jüngerer Zeit bereits mit dem Platzen der Dotcom Blase um die Jahrtausendwende begonnen.

Über viele Jahre waren die meisten Anleger hierzulande in Aktien investiert. Vorwiegend Technologie-Werte boomten und wurden buchstäblich bis zum Himmel gehypt.

Als dann der große Crash kam, verloren die meisten Anleger ihr hart erarbeitetes Geld. So ein Ereignis hinterlässt Spuren und erklärt das mangelnde Vertrauen vieler Menschen in Aktien.

Was ist der Grund für Ängste vor Risiko bei Geldanlagen?

Was man an dieser Stelle natürlich erwähnen muss, ist, dass bei großen Aktien-Crashs nicht die Aktien selbst das Übel sind, sondern Anleger in vielen Fällen keine Vorsicht walten lassen, welche Werte ins Depot gelegt werden. Hier möchte ich als Begründung das Stichwort Portfoliodiversifikation fallen lassen.

Portfolio Diversifikation als Schlüssel zur Sicherheit – Risiko reduzieren

Doch es gibt auch einen zweiten, länderspezifischen Grund:

Der Psychologe Borwin Bandelow hat in einem Interview der F.A.Z. in Bezug auf die Geldanlage in Deutschland einmal gesagt „Die Deutschen zeigen vielmehr insgesamt im Vergleich zu Menschen in anderen Ländern ein eher vorsichtiges Wesen„. Das sehe ich auch auf Österreich zutreffend. Das Credo lautet: Das Ersparte lieber in Sicherheit halten, als es einer größeren Zuwachsmöglichkeit, jedoch mit höherem Risiko auszusetzen.

Eines ist sicher: Mit der Geldanlage Sparbuch verlierst du Geld

Einer rationalen Betrachtung hält diese Art der Denkweise jedoch wohl eher nicht stand. Auf dem Sparbuch wird das Geld auf jeden Fall weniger. Mit einem in Österreich beliebten Bausparvertrag sieht es zwar eine Spur besser aus, doch auch hier ist in den meisten Fällen allerhöchstens mit Werterhalt, jedoch nicht mit Wertzuwachs zu rechnen.

Auch sollte man natürlich beachten, dass viele Österreicher unter dem Satz „in Aktien zu investieren“ an die Selektion einzelner Aktientitel denken. Das ist ein möglicher Weg! Jedoch birgt dieser natürlich mehr Gefahren als die Investition in bereits diversifizierte Produkte wie beispielsweise ETF’s oder Fonds.

Diese Grafik zeigt die Rendite für zwei Investoren, welche jeden Monat 1000  Euro gespart haben. Erläuterungen und Hintergründe dazu findest du in einem separaten Artikel:

Die Goldene Regel zur Geldanlage: IMMER langfristig investieren

Etwas besser als Aktientitel steht übrigens die Anlage in Gold da. Obwohl hier kaum hohe Renditen möglich sind, ist die Beliebtheit trotzdem größer, was wiederum mit hoher Wahrscheinlichkeit am verminderten Risiko dieser Anlage liegt.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Nachwirkung der vergangenen Börsencrashs in Kombination mit dem eher risikoscheuen Wesen der Österreicher zu der jetzigen Situation geführt hat.
Wer von den österreichischen Lesern das Abenteuer Aktien trotzdem wagen möchte, empfehle ich an dieser Stelle vorher einen Aktiendepot-Vergleich für Österreich in Anspruch zu nehmen, um sich zumindest in diesem Bereich ein paar unnötige Kosten & Gebühren zu ersparen.

Finanzielle Bildung als Lösung – Ein Blick in die Zukunft

Lösung gesucht: Wie kann man der Risikoaversion bezüglich der Geldanlage mindern?

Würde ich einer realistisch-pessimistischen Linie folgen, würde ich sagen:

Da ist Hopfen und Malz verloren!

Tu‘ ich aber glücklicherweise nicht. Trotzdem werden wir uns natürlich alle einig sein, dass so etwas nicht von heute auf morgen zu ändern ist. Besonders nicht, wenn die Gründe so tief verwurzelt sind und die Angst von Generation zu Generation weiter getragen wird.

Finanzielle Bildung als Voraussetzung für einen guten Umgang mit Geldanlage

Ein Lösungsansatz, den ich sehr begrüßen würde, ist, die finanzielle Bildung bereits in der Schule zu fördern. Aus meiner Sicht wird in diesem Bereich zu wenig, um nicht zu sagen überhaupt nichts, getan.

Kannst Du dich daran erinnern, in der Schule Praktisches zum Thema Geld gelernt zu haben?

Finanzielle Bildung: Schüler sollten schon von Beginn an, den richtigen Umgang mit Geld erlernen, wobei nachhaltiges Wirtschaften im Vordergrund stehen muss.

Beim Thema Geldanlage haben Emotionen wenig verloren

Zu oft wird dem Thema „Geld“ auch mit einem emotionalen Ansatz begegnet, was in diesem Gebiet jedoch nur selten gut aufgehoben ist. Das belegen übrigens Beobachtungen ganz gut:

Menschen, die im Finanzmarkt emotionale Entscheidungen treffen, sind weniger erfolgreich als diejenigen, die rational und faktenbasiert an die Sache heran gehen.

Die dringend benötigte finanzielle Aufklärung ist auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass über der Hälfte aller Österreicher Konsumschulden haben. Da fehlt einfach oft das grundsätzliche Gespür für Finanzen und den Umgang damit. Aus diesem Grund ist ein frühes Eingreifen besonders wichtig – Im besten Fall durch Aufklärung. Dann kann es auch wieder mit der Aktionärsquote aufwärts gehen!

Weiterführende Artikel zum Thema Sparen und Geldanlage:

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Über Christopher 27 Artikel
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2 Kommentare

  1. Hallo, die Finanzkrise 2008 als Grund für die Zurückhaltung zu nennen ist deutlich zu kurz gedacht. Ebenso die vermeintliche Tendenz der Deutschen / Österreicher eher vorsichtige Menschen im Wesen zu sein, halte ich für zu vage – sorry! Es gilt das ganze Thema dahingehend aufzuarbeiten als das gerade in Deutschland der NEMAX Crash, das Thema T-(Volks-) Aktie und das ganze Verhalten der Politik, Medien als auch Finanz-Industrie hinsichtlich Aufarbeitung jener Situationen dazu beigetragen haben, die Psyche der Anleger nachhaltig zu erschüttern. Der NEMAX war und ist bis heute das beste Beispiel dafür, dass Millionen von Kleinanlegern durch Banken, Medien etc. doch mehr als deutlich angespitzt wurden in NEMAX Aktien eg. IPOs zu investieren. Schlüssige Business Modelle? Wen interessiert es? Hauptsache IPO…und ab geht die Post! Was wirklich passierte wissen wir alle…..Wieviele Menschen haben damals ihre gesamten Ersparnisse verloren? Und schlimmstenfalls 2008 ein 2.tes Mal? Möglicherweise wiederum basierend auf den Empfehlungen derselben Bank, die auch beim Nemax dem Anleger „beratend“ zur Seite stand? Ich kenne zahlreiche solcher Fälle und ich kann gut nachvollziehen, dass die nun massiv Abstand von der Börse bzw. von irgendwelchen Investmentangeboten nehmen 😉 Diese Vorsicht liegt nicht in deren „Natur“, sondern in miesesten Erfahrungen mit Banken und Co….

  2. Die Wikipedia-Seite erscheint mir merkwürdig:
    Es gibt eine Tabelle mit „Nur Aktien“ und „Nur Fonds“ und eine „Gesamt“ Spalte, die die Summe der beiden bildet- und was ist mit Menschen die beides besitzen?

    Laut anderen Umfragen sind die Werte etwas höher:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13314/umfrage/aktuell-genutzte-geldanlagen-der-deutschen/

    Letztendlich sind es natürlich generell eher wenige private Marktteilnehmer, und für Risiko-aversive aber inflationsbewusste Menschen bleibt fast nur der Konsum (oder Investitionen in die eigene Person: egal ob Reisen, Bücher oder Seminare). Natürlich ohne Konsumkredite (außer Aktionen für Negativzinsen). Anderen mag dafür schlicht nicht genug übrig bleiben (im unteren Einkommensviertel kann Sparen vermutlich auch schnell unglücklich machen).

    Mir persönlich ist diversifiziertes Risiko lieber, aber was Diversifikation im Falle einer Wirtschaftskrise wert ist, oder ob die über verschiedene Sektoren und Regionen verteilten Aktien im Großen und Ganzen alle abschmieren, P2P-Kreditnehmer und -Anbahner reihenweise ausfallen, der Goldpreis einbricht und das bis zur Einlagensicherung geschützte Festgeld (in Österreich) auf Jahre gesperrt bleibt und durch die Wirtschaftskrise (und Automatisierung) der Job verloren geht und sich ein neuer nicht so leicht finden lässt…

    … das wird letztendlich auch nur die Zukunft zeigen. Ich bin gespannt 🙂

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