Investoren und Spekulanten – Einfach Erklärt

Finanzblogroll im Interview

In dieser Artikelserie werden wir uns mit den unterschiedlichsten Investmentkategorien beschäftigen. Wir werden uns unter anderem der Frage widmen, was eigentlich einen Investor ausmacht und in welchen Segmenten diese Gattung Mensch überwiegend anzutreffen ist.

Definition Investor

Vorab sollten wir eine eigene Definition für den Begriff „Investor“ formulieren.

Ein Investor ist ein kapitalisierter Anleger, welcher das langfristige Ziel verfolgt, sein investiertes Kapital zu mehren. Er kann unter unterschiedlichsten ethischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten am Markt auftreten.

Investoren unterscheiden sich von Spekulanten

Immer wieder werden Investoren und Spekulanten im gleichen Atemzug genannt. Einigen ist dabei nicht klar, dass diese beiden Anlegertypen grundverschieden agieren. Während der Spekulant eher kurzfristig ausgerichtet ist, ist der Investor an langfristigen Engagements interessiert.

Abgrenzung von Spekulanten

Spekulanten profitieren von kurzfristigen Trends und handeln mit verhältnismäßig großen Volumen. Das höhere Volumen ist nötig, damit die Transaktionsgebühren nicht so stark ins Gewicht fallen. Als spekulativ eingestellte Berufsgruppe kann der Daytrader genannt werden. Er fokussiert seine Handelsaktivitäten auf Trends und steigt -in der Regel- mehrere male am Tag in den Markt ein und wieder aus.

Investoren agieren mit langfristigen Strategien

Investoren sind dagegen anders aufgestellt. Zwar können auch sie mit großen Volumen handeln, allerdings sind ihre Engagements von längerer Natur. Jedoch sei hier angemerkt, dass jeder Investor andere Prinzipien und Grundlagen verfolgt. Alle seine Entscheidungen basieren auf einer langfristig ausgelegten Strategie, kurzfristige Marktkorrekturen beeinflussen ihn nicht.

Fähigkeiten eines Investors

Den perfekten Investor gibt es nicht, früher oder später wird auch er eine Fehlentscheidung treffen. Gute Investoren unterscheiden sich von schlechten, indem sie ihre Fehler frühzeitig erkennen und höhere Verluste begrenzen.

Es gibt viele Fähigkeiten die ein guter Investor mitbringen muss, damit er langfristig erfolgreich sein wird. Eine gute analytische Auffassungsgabe ist essentiell für diesen Anlegertypen. Er muss Zahlen, Fakten und Branchenwissen in sich vereinen, damit er das bestmöglichste aus seinem Einsatz herausholen kann.

Je mehr Wissen er über das Produkt, das Unternehmen oder die Branche hat, desto eher kann er zukünftige Entwicklungen und Chancen einschätzen.

Außerdem ist selbstkritisches Hinterfragen von Vorteil. Wenn ein Markt falsch eingeschätzt wurde, dann müssen Verluste begrenzt werden. Eventuell gab es unvorhersehbare Probleme, auch auf diese muss angemessen reagiert werden.

Kontinuierliche Weiterbildung sollte einen Interessierten nicht abschrecken. Gute Investoren kennen sich immer aus, sie wissen was zur Zeit funktioniert und was vielleicht früher geklappt hat, heute aber veraltet ist.

Im kommenden Kapitel werden wir auf die ethischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte eines Investors eingehen.

Ethische und Wirtschaftliche Aspekte des Investors

Hier wollen wir auf die unterschiedlichen ethischen und wirtschaftlichen Aspekte eingehen, mit denen ein Investor oder Spekulant am Markt auftreten kann.

Vorab sollte allerdings gesagt werden, dass die geschilderten Eigenschaften und Charakteristika nicht vollkommen auf jeden, dieser beiden Anlegertypen, zutreffen. Jeder Investor legt andere Kriterien -mit den unterschiedlichsten Gewichtungen- für seine AStrategie fest.

Dementsprechend ist eine genaue und zutreffende Formulierung nahezu unmöglich. Dennoch wollen wir einmal probieren grobe, sachliche Unterscheidungen zwischen beiden Typen festzumachen.

Wirtschaftliche Interessen

Da der Spekulant seine Engagements eher kurzfristig auslegt, treten bei diesem Anlegertypen die wirtschaftlichen Interessen viel stärker in den Vordergrund, als beim langfristig orientierten Investor.

Dennoch kann der Spekulant auch ethische Prinzipien aufweisen. Zum Beispiel könnte der Spekulant von Rohstoffspekulationen auf Lebensmittel Abstand nehmen.

Der Spekulant handelt, aufgrund seiner kurzen Engagements, überwiegend nach seinen wirtschaftlichen Interessen. Sollten seine ethischen Vorstellungen mit einem potentiellen Investment in Konflikt stehen, wird der Spekulant in der Regel kein Engagement tätigen.

Hierzu sei angemerkt, dass die unterschiedliche Gewichtung der Prinzipien von Fall zu Fall differenziert betrachten werden kann. Beispielsweise kann mit der Zeit der wirtschaftliche Gedanke soweit voranschreiten, dass ethische Prinzipien kaum noch eine Rolle spielen.

Ethische Prinzipien

Der Investor hält seine Engagements über einen längeren Zeitraum und kann dabei von ethischen, aber auch von wirtschaftlichen Prinzipien angetrieben sein. Auch eine Übereinstimmung beider Prinzipientypen ist möglich.

Nicht selten können beim Investor ethische Gesichtspunkte überwiegen. Jedoch nicht so sehr, dass das Investment aus wirtschaftlicher Sicht keinen Reiz besitzt. Dieses würde zum Beispiel bedeuten, dass der Investor mit seinem Engagement einen Verlust bewusst in Kauf nehmen würde.

Laut Definition würde er somit gegen den Grundsatz eines Investor verstoßen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass jeder für sich selber entscheiden muss, ob er lieber Spekulant oder Investor ist. Eine Mischform ist aus den oben genannten Gründen nicht möglich, es können lediglich weitere, detailliertere Formen von Spekulanten und Investoren auftreten.

Diese Unterformen unterscheiden sich wieder untereinander, verletzen in ihrem Handeln aber nicht die übergeordneten Prinzipien ihrer Kategorie.

Theorie und Praxis – Investieren an der Börse

Nachdem sich Neueinsteiger durch unzählige Fachbücher, Zeitschriften und Foren eine gute Basis geschaffen haben, denken viele, dass sie nun sehr leicht den Markt schlagen werden. Alles sei kinderleicht und ja auch vollkommen logisch -nur ein Idiot könnte hier Geld verlieren. Schneller als Gedacht ist das Ersparte weg.

Viele Einsteiger geben sich der Illusion hin, dass die Theorie sie zu einem hervorragenden Börsenprofi macht. Einmal im Markt investiert fangen sie an vollkommen unlogische Schlussfolgerungen aus Kursbewegungen zu ziehen.

Die Ruhe fehlt – Emotionen steigen

Bei vielen Neulingen fällt auf, dass sie unbedingt Handeln müssen. Sie halten ihre Position nur wenige Wochen oder sogar nur Tage. Es wirkt wie eine Art Tradingzwang, sie reden sich ein, dass der Kaufkurs womöglich doch zu hoch war. Sie wollen lieber jetzt kleine Gewinne mitnehmen, bevor der Markt dreht und sie Verluste hinnehmen müssen.

Jeden Tag sitzen sie stundenlang vor den Kursen, bei jedem Anstieg ziehen sich ihre Mundwinkel nach oben, geht der Kurs in die andere Richtung ringen sie mit sich, ob sie nicht nun doch Verkaufen sollten. Was würde passieren, wenn der Aufwärtstrend nun durch eine Kurskorrektur gestoppt wird? Es wäre ja nicht auszumalen, was man sich alles hätte kaufen können – so viel Geld.

Diese kleinen Beispiele sind bestimmt jedem Einsteiger mal mehr, mal weniger intensiv vorgekommen. Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es vor allem Einsteigern schwer fällt den Schritt von der Theorie, hin zur Praxis zu machen. In der Theorie sind Kurskorrekturen und langanhaltende Seitwärtsbewegungen kein Problem.

Doch in der Praxis ist der Mensch viel stärker von seinen Emotionen beeinflusst. Auf einmal herrscht Stress, die Angst vor Verlusten und Misserfolg regiert.

Langfristiger Erfolg an der Börse

Wenn sie an der Börse langfristig Erfolg haben wollen, dann sollte ihnen das investierte Geld egal sein. Sie sollten nur das Geld an die Börse bringen, von dem sie wissen, dass sie es in den nächsten Jahren nicht brauchen. Wenn sie hoffen, dass sie an der Börse das so berühmte schnelle Geld machen können, dann irren sie sich -und zwar gewaltig.

Es erfordert viel Übung, Erfahrung und Intelligenz, wenn sie langfristig Gewinne erzielen wollen. Kurzfristig kann jeder mit Glück an der Börse Geld verdienen, aber was nutzt ein kurzfristiger Gewinn, wenn langfristig viel mehr drin ist?

Seien sie schlau, sammeln sie langsam Erfahrung und handeln sie nicht auf Kredit. Viele Menschen haben sich bei dem Versuch auf Kredit zu spekulieren ihre komplette Zukunft verbaut. Die Gier sollte nie der Antrieb für ihr Handeln sein, nicht im Leben und vor allem nicht an der Börse.

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