Spar dir das Sparbuch! Wieso du noch heut in Aktien investieren solltest

Das Haushaltsbuch hilft, unnötige Ausgaben und Kosten zu identifizieren und somit den Geldschwund zu verringern. © stmool / Fotolia

Wir Deutsche lieben unser Sparbuch. Wir würden uns nie davon trennen, maximal einen Seitensprung zum Tagesgeld wagen. Mit dem guten alten Sparbuch fühlen wir uns doch irgendwie am Wohlsten und vor allem: am Sichersten.

Eines ist mit dem Sparbuch tatsächlich absolut sicher: Wir verlieren Geld.

Die Zinsen sind so gering, dass sie nicht einmal die Inflation ausgleichen – der sogenannte Realzins ist negativ.

Und genau damit kommen wir auch schon zu einem Vorteil von Aktien: Wir partizipieren an Preissteigerungen! Wenn ein Unternehmen aufgrund der Inflation höhere Preise zahlen muss, um Produkte zu produzieren, gibt es diese höheren Kosten üblicherweise an die Kunden weiter. Wie oft kommt es nun vor, dass ein Unternehmen niedrigere Einkaufspreise (z.B. aufgrund des gefallenen Ölpreises) auch an den Kunden weitergibt? Richtig: so gut wie nie.

Für uns heißt das: Wir erhalten durch die Gewinnausschüttungen und/oder Kurssteigerungen des Unternehmens eine positive Realverzinsung und haben damit tatsächlich unser Vermögen vermehrt.

Nun gibt es einen klitzekleinen Haken an der Sache: Wir müssen Aktien kaufen. Wer einen Crashkurs über die Entstehung einer Aktie braucht, sollte zunächst hier vorbeischauen. Alles weitere Wissen über Aktien gibt es im Artikel Investmentgrundlagen.

Wie man nicht in Aktien investieren sollte

Viele Menschen haben eine irrationale Angst oder Abneigung vor Aktien und aufgrund meiner eigenen Erfahrung in der Familie kann ich das auch gut nachvollziehen, dazu ein kurzes Beispiel:

Wenn ihr zur Sparkasse geht, wird euch der Kundenberater den AriDeka Investmentfonds (oder irgendeine Variante) zum Kauf empfehlen. Ein Fonds ist ein Bündel aus vielen verschiedenen Aktien. Oft hat ein Fonds auch einen Schwerpunkt, z.B. Technologie- oder Pharmaunternehmen. Ihr entscheidet euch also dafür, weil der Berater euch hübsche Charts vorgelegt hat, die eine gute Performance des Fonds aufzeigen, und investiert 20.000 EUR.  Ist das nun eine gute Entscheidung oder nicht? Das kommt darauf an:

Habt ihr 500.000 EUR für Investitionen zur Verfügung, sind 20.000 EUR nur 4% eures Vermögens und ihr könnt Schwankungen in der Wertentwicklung gut verkraften. Zudem könntet ihr ohne weiteres zu späteren Zeitpunkten erneut kaufen oder in andere Fonds und Aktien investieren, um eine größere Diversifizierung zu erreichen.

Habt ihr aber nur 50.000 EUR zur Verfügung, so habt ihr bereits 40% eures Vermögens in ein Produkt investiert, das zwar bereits eine gewisse Diversifikation (also Vielfalt) bietet, allerdings habt ihr 40% eures Vermögens an einem einzigen Tag investiert! Was ist nun, wenn der Kurs an diesem Tag besonders hoch ist? Was ist, wenn eine Woche später der Markt zusammenbricht und der Kurs um 30% fällt?

Der Bankberater verdient nicht viel an uns, wenn wir nur kleine Summen investieren. Er will, dass wir möglichst viel auf einmal investieren, aber genau das ist der Kardinalsfehler, der so häufig gemacht wird und zu großen Verlusten führen kann.

Merke: Investiere nie dein gesamtes Vermögen innerhalb eines kurzen Zeitraumes!

Wie man in Aktien investieren sollte

Vielen von euch wird das Jahr 2000 noch in Erinnerung sein: Die sog. „Dotcom-Blase“ ist geplatzt, die Technologieaktien sind massiv gefallen und haben den Kapitalmarkt mit sich gerissen. Noch besser in Erinnerung wird euch die Finanzkrise ab 2007 sein, als die Immobilienblase in den USA geplatzt ist und die betroffenen Banken ein Finanzbeben mit massiven Kursverlusten ausgelöst haben. Solche Ereignisse brennen sich förmlich in unser Gedächtnis ein. Diese Erinnerungen geben uns klare Warnsignale: Lass die Finger von diesem Teufelszeug! Oder?

Sehen wir uns die Entwicklung einmal genauer an

Der DAX ist der Deutsche Aktienindex und bildet die Wertentwicklung der 30 größten und Umsatzstärksten deutschen Unternehmen ab. Wie hat sich dieser nun in den letzten 30 Jahren entwickelt?

Yahoo Finance

Wir dürften uns einig sein, dass es einige äußerst ungünstige Zeitpunkte gegeben hat, in denen wir unsere oben erwähnten 20.000 EUR investiert haben könnten. Genauer sind es folgende Zeitpunkte:

Wir hätten uns also ziemlich geärgert, hätten wir zu diesen Zeitpunkten investiert. Aber wir sehen auch: Es gab einige gute Phasen, in denen über lange Zeiträume der Markt gestiegen ist.

Das Experiment – Langfristig Investieren

Nehmen wir doch mal folgendes an: Wir befinden uns im Jahr 2000, noch etwas verkatert von der Silvesterfeier, und langsam dringt der Neujahres-Vorsatz wieder zum Vorschein: Wir wollen nun auch endlich mal “das mit den Aktien” probieren. Schließlich lief es enorm gut in letzter Zeit und irgendwie redet jeder nur noch von Aktien.

Hätte es damals schon Finanzgrundlagen.de gegeben, hätten wir uns bereits an die goldene Regel fürs Investieren erinnert: Investiere dein Geld über einen langen Zeitraum hinweg in eine Vielzahl an soliden Unternehmen.

Wir entscheiden also dafür regelmäßig alle 6 Monate 1.000 EUR in den DAX zu investieren, völlig egal, was passiert. Wir beginnen dummerweise ausgerechnet am 7. März mit unserem Investment, das Datum an dem der DAX seinen Höchststand erreicht hat und danach lange Zeit gnadenlos in die Tiefe fallen wird. Wir lassen uns aber nicht von unserer Strategie abbringen und machen munter weiter, immer am 7. März und am 7. September.

Wie hätte sich unser Vermögen nun entwickelt?

Im Zeitraum vom 7. März 2000 bis heute hätten wir insgesamt 33.000 EUR investiert. Wie hat sich unser DAX-Depot nun entwickelt?

Mit der Maus über die Linien fahren um die Werte und Zeiträume zu sehen, Mobilgeräte Querhalten)

Hätten wir tatsächlich diese Strategie des “Hochmutes” blindlings durchgestanden und konsequent 1.000 EUR alle 6 Monate angelegt, völlig egal, was uns die Medien für Weltuntergangs-Szenarien prophezeit haben, dann wären am 13. August 2016 aus den investierten 33.000 EUR exakt 62.256 EUR geworden. Wir hätten über 29.000 EUR mehr Vermögen gehabt!

Tokyo Stock Exchange – die Drittgrößte Börse der Welt

Sehen wir uns das DAX-Depot einmal aus der Perspektive der reinen Wertentwicklung an, also nur der Gewinn bzw. Verlust:

 

Nun, wir sehen, dass wir eine ordentliche Durststrecke von ganzen 5 Jahren überwinden mussten, bis wir endlich in den Gewinnbereich gekommen sind. Immerhin waren da noch der 11. September 2001 und die Finanzkrise 2007, die uns gut zugesetzt haben. Aber trotz dieser vielen Rückschläge, haben wir unser eingesetztes Kapital in 16 Jahren um fast 89% erhöhen können! Übrigens: Hätten wir die Krisenzeiten genutzt und knallhart mehr als 1.000 EUR investiert, wären wir heute noch deutlich reicher.

Und das Sparbuch?

Wie sähe es aus, wenn wir stattdessen das gute alte Sparbuch als „Anlageform“ genutzt hätten? Dazu habe ich die durchschnittlichen Sparbuchzinsen der jeweiligen Jahre von 2000 bis heute herangezogen und unser virtuelles Sparbuch alle 6 Monate mit 1.000 EUR befüllt. Zudem habe ich angenommen, dass das Sparbuch ebenfalls alle 6 Monate die aufgelaufenen Zinsen einbucht. Im Jahr 2000 lag der durchschnittliche Sparbuchzins bei 1,3%, den höhsten Stand gab es 2008 mit 2,8% und den niedrigsten heute: 0,1%.

 

Hätten wir uns also für das Sparbuch entschieden, würden wir uns nun über einen Ertrag von atemberaubenden 3.989 EUR freuen können. Wir konnten damit unser eingesetztes Kapital in 16 Jahren um gerade einmal 12% erhöhen.

Wir haben uns die Sicherheit, unser Geld kontinuierlich und im Schneckentempo wachsen zu sehen, mit einem Zins erkauft, der uns nicht reicher gemacht hat. Das Sparbuch ist in meinen Augen zu nichts anderem zu gebrauchen, als einem Kind beizubringen, dass sein Taschengeld “mehr” wird, wenn es auf diesem Buch bleibt und man nur lange genug wartet. Damit hat das Kind die Idee vom Zins verinnerlicht und wird hoffentlich sorgsam mit seinem Geld umgehen.

Ich habe übrigens das gleiche “Experiment”, statt mit dem DAX, mit dem “NASDAQ” erstellt (die größte amerikanische Börse. Ich wählte den 10. März 2000 als Startpunkt, als der NASDAQ seinen Höchststand erreicht hatte. Die Berechnung führte bei sonst gleichen Rahmenbedingungen, wie oben, zu einem Gewinn von fast 40.000 EUR zum heutigem Stand. 10x mehr, als beim Sparbuch.

Fazit Aktien vs. Sparbuch

In meinem Beispiel habe ich gezeigt, dass es unerheblich ist, wann wir mit dem Investieren anfangen, solange wir auf längere Frist planen. In dem Beispiel haben wir zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt angefangen und natürlich für ein paar Jahre einen “Verlust” erlitten, aber wir haben tapfer weitergemacht und wurden schließlich daführ belohnt. Wir hätten sogar in den Krisenzeiten, als der DAX sehr niedrig stand, mehr Geld investieren können, weil man davon ausgehen kann, dass der DAX sich wieder erholen wird (das ist natürlich jetzt leichter gesagt, als während der Krise getan!).

Natürlich kauft man Aktien am besten dann, wenn sie besonders niedrig sind. Aber selbst, wenn man den aktuellen Stand am Markt völlig ignoriert und regelmäßig investiert, erhält man eine weit bessere Rendite auf sein Kapital, als es mit der Alternative “Sparbuch” möglich ist. Also:

  • Das Sparbuch ist die denkbar schlechteste Form der Geldanlage.
  • Die Angst vor Aktien ist unbegründet und irrational. Selbst wenn wir zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt anfangen zu investieren, bedeutet es nicht, dass wir verlieren!
  • Berücksichtigen wir einige Grundregeln bei der Anlage in Aktien, kann uns auf lange Sicht fast* nichts passieren.

 

*Fast? NUR FAST??!!!     Ja, genau. Natürlich kann es weltwirtschaftliche und weltpolitische Entwicklungen geben, die so immens sind, dass wir länger warten müssen, bis wir wieder im Gewinnbereich liegen. Allerdings zeigen historische Auswertungen, dass man spätestens ab einem Zeitraum von 15 Jahren nicht mehr im Verlustbereich liegt.
4.78/5 (3)

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2 Kommentare

  1. Danke für ausführlich beschrieben Artikel! Zweifellos sollte das Geld zum aktiven Kapital dazugehören. Trotzdem habe ich noch manche Zweifel, die ich beschreiben will.
    Meine Summe ist nicht genug, damit in große weltbekannte Unternehmen investieren – das ist ganz klar. Wenn wir aber über kleine Firmen, oder ein kleiner Prozentsatz der Aktien sprechen, ist das Risiko leer ausgehen viel höher.
    Was können Sie dazu sagen?
    Viele Grüße, Martin Beike

    • Hallo Martin, die hier beschriebene Form lässt sich am besten über einen ETF-Sparplan realisieren. Die kann man bereits ab 25 EUR im Monat einrichten.

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