Die Rechtsschutzversicherung kurz erklärt

Warum man eine Rechtsschutzversicherung abschließen sollte

Eine Rechtsschutzversicherung kann sehr hilfreich sein. Schließlich kann jeder einmal in die Situation kommen, auf die Vertretung durch einen Anwalt angewiesen zu sein. Das kann mitunter ziemlich schnell gehen. Etwa, wenn es zu Problemen mit dem Vermieter kommt oder wenn die Sachlage nach einem Autounfall nicht ohne weiteres geklärt werden kann. Ohne eine Rechtsschutzversicherung kann es ganz schön teuer werden, zu prozessieren. So mancher kann es sich im Zweifelsfall vielleicht nicht einmal leisten, das eigene Recht gerichtlich einzufordern.

Das kann eine Rechtsschutzversicherung

Eine Standardrechtsschutzversicherung umfasst in aller Regel drei Bereiche: den Privatrechtsschutz, den Berufsrechtsschutz und den Verkehrsrechtsschutz.

Das heißt, immer wenn man etwa Schadensersatzansprüche geltend machen möchte (die nicht durch eine Kfz-Versicherung gedeckt sind), es Probleme mit Dienstleistern, Reiseveranstaltern oder bei Kaufverträgen, mit dem Finanzamt oder der Sozialversicherung gibt, oder wenn man gar wissentlich oder unwissentlich Straftaten und Ordnungswidrigkeiten begangen hat, greift der Privatrechtsschutz.

Wer hingegen als Arbeitnehmer in Querelen gerät, kann sich auf den Berufsrechtsschutz verlassen. Dieser hilft etwa bei ungerechtfertigten Abmahnungen und Kündigungen. Aber auch, wenn der Ex-Arbeitgeber die Abfindung nicht oder nicht in der passenden Höhe leistet. Und selbstverständlich auch bei „Kleinigkeiten“, wie Streitereien über Gehaltsbezüge, -höhe, Arbeitszeiten und -zeugnisse, und in vielen andren Fällen.

Der Verkehrsrechtsschutz zu guter Letzt ist eine hervorragende Ergänzung zur Kfz-Versicherung. Dank dieser Rechtsschutzversicherung kann man gegen Bußgeldbescheide vorgehen, Schadensersatzforderungen beim Unfallverursacher durchsetzen und Problemen beim Autohändler oder in der Werkstatt begegnen. Auch bei Kfz-Behörden greift der Rechtsschutz.

Weitere Rechtsschutzleistungen, wie etwa die Deckungszusage oder Wegfall des Selbstbehalts, können je nach Versicherer und Tarif bedarfsgerecht hinzu gebucht werden.

Grundlegendes zur Rechtsschutzversicherung

Bei der Rechtsschutzversicherung handelt es sich um eine noch recht junge Versicherung. Sie wird den Privatversicherungen zugeordnet. Dies bedeutet, dass sie, anders als etwa die Kfz-Haftpflicht, nicht zwingend von Gesetz wegen abgeschlossen werden muss.

Die Grundlage für die Rechtsschutzversicherung bildet das Versicherungsvertragsgesetz und die ARB, die allgemeinen Rechtsschutzversicherungsbedingungen. Darin sind die besonderen Rechte, Pflichten und Obliegenheiten der beiden Vertragsparteien reguliert.

Ergänzt werden diese Regularien durch regelmäßig aktualisierte allgemeine Geschäftsbedingungen. Besonders auf die AGB sollte man bei Abschluss und Wechsel der Rechtsschutzversicherung achten. Denn darin ist der Leistungsumfang der Versicherung beschrieben.

Der mögliche Leistungsumfang einer Rechtsschutzversicherung

Was die Rechtsschutzversicherung allem voran übernimmt, sind die Kosten für den Rechtsbeistand. Dabei hat der Versicherungsnehmer die freie Wahl des Anwalts. Ebenfalls durch den Rechtsschutz gedeckt sind mögliche Gelder für Zeugen, die in einem Verfahren gehört werden müssen, sowie Honorare für eventuelle Sachverständige oder Übersetzer. Von einer guten Rechtsschutzversicherung werden auch die Kosten für das Gericht und mögliche Kautionszahlungen übernommen.

Bei klassischen Tarifen muss der Versicherungsnehmer allerdings in Vorleistung gehen. Nur wenn eine vertraglich vereinbarte Deckungszusage vorliegt, werden die Kosten umgehend von der Rechtsschutzversicherung beglichen. Andernfalls springt die klassische Rechtsschutzversicherung nur ein, wenn der Versicherungsnehmer eine Klage gewonnen hat. Einen Rundumschutz bietet daher ausschließlich die Deckungszusage, die auch bei Verlust bezahlt.

Davon unabhängig ist der Selbstbehalt, der je nach Police variieren kann. Einige Rechtsschutzversicherungen bieten auch Verträge ohne Selbstbehalt an. Dort ist dann meist die Monatsprämie etwas höher.

Der Leistungsfall und ein möglicher Ausschluss

Sofern keine Deckungszusage seitens des Versicherers besteht, prüft dieser zunächst, ob ein angestrebtes Verfahren zum Erfolg führen würde und könnte. Dies gilt umso mehr, wenn durch den Versicherungsnehmer vermeintlich gegen Rechtsvorschriften verstoßen wurde. Dabei reicht hier die bloße Behauptung, um eine solche, interne Prüfung anzustoßen. Sprich, auch, wenn der Versicherungsnehmer fälschlicher Weise einer Straftat bezichtigt wurde, prüft die Versicherung zunächst, inwieweit ein Verfahren für den Angeklagten positiv ausgehen könnte.

Bis zur Klärung dieser Sachlage muss der Versicherungsnehmer in Vorleistung gehen – oder bei einem Negativentscheid die gesamten Kosten alleine tragen. Auch, wenn er grundsätzlich über einen Privatrechtsschutz verfügt, der fahrlässige Straftaten abdeckt. Wird der Versicherungsnehmer
gar strafrechtlich verfolgt, kann die Rechtsschutzversicherung den Leistungsfall ausschließen. Beim Wechsel der Rechtsschutzversicherung ist also auf die Ausschlussklausel ganz genau zu achten!

Die richtige Rechtsschutzversicherung finden

Es gibt diverse Modelle für Rechtsschutzversicherungen. Das klassische Modell wurde weiter oben bereits angesprochen. Es umfasst Strafsachen im privaten, beruflichen und verkehrsrechtlichen Bereich. Ein Basisrechtsschutz greift demnach in Fällen von allgemeinem Vertragsrecht, Schadenersatzbelangen und bei Strafsachen (nicht bei mutwilligen und fahrlässig verübten Straftaten, die über Bagatelldelikte hinaus gehen; s. Absatz oben).

Wichtig ist zu wissen, dass eine Rechtsschutzversicherung wirklich nur bei Streitigkeiten greift. Anwaltlicher Beistand bei Vertragsabschlüssen, Testamentserstellung, Vereinbarungen und Verträgen zwischen Gesellschaftern und dergleichen ist durch die klassische Rechtsschutzversicherung nicht gedeckt. Wer auf solche Klauseln besteht, muss gesonderte Versicherungsverträge oder Rechtsschutzvereinbarungen abschließen.

Ebenso sind ist eine Rechtsschutzversicherung nicht geeignet bei Gebäude- bzw. Besitzstreitigkeiten. Wenn etwa eine gerichtliche Räumung oder Enteignung bevorsteht, kann man den Anwalt nicht über die Rechtsschutzversicherung abrechnen. Ebenso muss man den Rechtsbeistand aus eigener Tasche bezahlen, wenn es um Wettbewerbsrecht geht, Handelsrecht, Steuer- und Zollrechtsangelegenheiten, sowie Jagd- und Fischereirecht.

Um im Notfall nicht mit horrenden Anwalts- oder gar Gerichtskosten konfrontiert zu werden, eignen sich auch sogenannte Kombitarife. Hierbei können Versicherungsnehmer genau die Bereiche absichern lassen, die ihnen am wichtigsten sind. Dazu können sie aus Angeboten im Verkehrsrecht, Familien- und Erbrecht, Berufsrecht, Liegenschafts- und Mietrecht wählen. Oftmals sind solche Kombitarife eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen.

Hinweis
Eine Berufsrechtsschutzpolice kann nicht getrennt von einer Privatrechtsschutzversicherung abgeschlossen werden und umgekehrt. Das liegt darin begründet, dass der Alltag aus einem Wechselspiel von Berufs- und Privatleben besteht und ggf. Rechtsstreitigkeiten aus dem einen Bereich Konsequenzen im anderen Bereich haben können. Beruf und Privatleben bedingen sich gegenseitig so stark und sind so eng miteinander verknüpft, dass Versicherer hier mit dem Gesetzgeber übereingekommen sind, diese beiden Rechtsschutzversicherungen ausschließlich in einem Paket anzubieten.
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