Die Pflegezusatzversicherung – sinnvolle Ergänzung fürs Alter

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Die Pflegezusatzversicherung – sinnvolle Ergänzung zur Pflegeversicherung

Die Zahl Pflegebedürftiger steigt seit Jahren kontinuierlich an. Und zwar sowohl im Bereich der Intensivpflege, der Heimpflege, wie auch der ambulanten Pflege. Gut, wer da Unterstützung durch Familie und Freunde hat. Doch was, wenn kein privates Netz da ist, das bei der Bewältigung des Alltags helfen kann? Oder was, wenn wenn der Intensitätsanspruch zur Belastung für die Familie wird? Oft bleibt dann nur die Unterbringung im Pflegeheim. Um die Kosten zu decken, kann auf die gesetzliche Pflegeversicherung zurückgegriffen werden. Doch nicht immer sind die Leistungsansprüche ausreichend, um die monatlichen Zahlungen decken zu können.

Die Pflege ist gesichert. Aber durch wen?

Seit 1995 ist die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland obligatorisch. Jede und jeder Krankenversicherte zahlt in die Pflegekasse, als Teil der Sozialversicherung, ein. Sie garantiert finanzielle Abhilfe im Fall einer Pflegebedürftigkeit im Alter. Die Auszahlungshöhe der Pflegeversicherung variiert je nach Bundesland und Pflegestufe – wobei die bisherigen 3 Pflegestufen mit Einführung des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes 2017 durch 5 Pflegegrade abgelöst wurden. Dies ist aber nicht die einzige Neuerung in der Pflegeversicherung.

Neue Regelungen in der gesetzlichen Pflegeversicherung

Neben der Neubesetzung der ehemals 3 Pflegestufen durch die neuen 5 Pflegegrade, wurde auch das Leistungsspektrum erneuert. So umfasst die Neuversion der gesetzlichen Pflegeversicherung nun mehr Leistungen als zuvor. Dies bringt allerdings auch eine höhere Beitragszahlung für alle Versicherungspflichtigen mit sich.

Bei einer Grad-5-Einstufung durch die Pflegekasse haben Versicherte in Niedersachsen seit dem neuen Gesetz nun Anspruch auf knapp über 2000 € im Monat. Zuvor betrug die Maximalauszahlung durch die Pflegeversicherung im gleichen Bundesland höchstens 1612 €. Die Neuregelung soll die Familien Pflegebedürftiger und Sozialkassen entlasten.

Wenn die gesetzliche Pflegeversicherung nicht ausreicht

Wenn die Auszahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht reicht, muss der oder die Versicherte selbst mit der Rente oder aus Anlagen für die Differenz in der Versorgungslücke aufkommen. Kann er oder sie dieses finanzielle Loch nicht oder nur unzureichend stopfen, werden die nächsten Angehörigen in die Pflicht genommen. Können auch diese die entstehenden Kosten für eine adäquate Pflege nicht aufbringen, springt der Staat bzw. das Sozialamt ein. Damit ist die grundlegende Mindestpflege für alle in Deutschland immer gesichert.

Wer im Alter nicht der eigenen Familie zur Last fallen möchte oder den pflegebedürftigen Angehörigen bzw. sich selbst etwas mehr als nur das Minimum garantieren möchte, muss selbst tätig werden. Durch den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung können sich privat wie gesetzlich Versicherte ein weiteres Polster aufbauen, das ihnen im Pflegefall hilft. Allerdings ist es ratsam, sich im Vorfeld gut über das Leistungsspektrum der einzelnen Versicherer zu informieren. So kann man selbst bei identischen Leistungen häufig bares Geld sparen.

Drei Mal private Pflegezusatzversicherung

Im deutschen Privatversicherungssystem werden aktuell drei unterschiedliche Möglichkeiten für eine private Pflegezusatzversicherung angeboten. Welche Variante besser passt, ist individuell abhängig von den persönlichen Lebensumständen und den Ansprüchen im Pflegefall. Zu den drei Modellen einer Pflegezusatzversicherung zählen die ✔ Pflegekostenversicherung, die ✔ Pflegetagesgeldversicherung, sowie die ✔ Pflegerentenversicherung.

Günstige Kostenübernahme im Pflegefall mit der Pflegekostenversicherung

Die Pflegekostenversicherung ist die Pflegezusatzversicherung, die mit den geringsten, finanziellen Aufwendungen verbunden ist. Vulgo: Sie ist das günstigste Modell einer ergänzenden Pflegezusatzversicherung. Ihr Hauptmerkmal ist, dass sie die Kostendifferenz übernimmt, die unter Umständen entsteht, wenn die Leistung der gesetzlichen Sozialversicherung nicht ausreicht, um die häusliche oder stationäre Pflege zu bezahlen.

Für einen Unter-60-Jährigen lassen sich bereits Pflegekostenversicherungen mit Monatsbeiträgen in Höhe von 60 bis 70 € finden. Diese Art der Pflegezusatzversicherung ist deshalb so günstig, weil sie ausschließlich zur Kostendeckung gedacht ist. Man muss den Verwendungszweck dem Versicherer nachweisen, um auszuschließen, dass das Geld in anderer Form genutzt wird. Sie deckt die Kosten, für die andernfalls der Versicherte selbst, seine Angehörigen oder der Staat aufkommen müsste, um Heimunterbringung oder Intensivpflege zu finanzieren.

Ein Manko bleibt: Die Beitragszahlung darf man ab Laufzeitbeginn weder aussetzen noch beenden. Sobald die Beitragszahlung eingestellt wird, verfällt die Police. Die bereits geleisteten Einzahlungen werden nicht erstattet. Ebendies gilt auch, wenn die Pflegekostenversicherung nie in Anspruch genommen wird. Sofern in der Police nicht anders verankert, verbleiben die Beiträge in jedem Fall beim Versicherer. Darum lohnt ein direkter, minutiöser Vergleich solch einer Pflegezusatzversicherung.

Flexibel und rentabel dank Tagesgeld als Pflegezusatzversicherung

Der Monatsbeitrag für eine Pflegetagesgeldversicherung ist ähnlich günstig wie der für eine Pflegekostenversicherung. Diese Pflegezusatzversicherung hat allerdings einen deutlichen Vorteil. Sie ist nicht zweckgebunden. Das heißt, das Tagesgeld wird – anders als es der Name suggeriert monatlich – ausgezahlt, ohne dass man einen Nachweis über die Verwendung erbingen muss. Die Kostenversicherung darf man hingegen ausschließlich für die Pflegekosten aufwenden.

Damit kann man auch eine Pflegehilfe in einem niedrigen Pflegegrad finanzieren, die durch die gesetzliche Pflegeversicherung nicht gedeckt ist. Auch bei der Pflegetagesgeldversicherung gilt: Augen auf bei der Anbieterwahl. Einige Versicherer befreien etwa von der Beitragszahlung, sobald man die Leistung in Anspruch nimmt. Andere ermöglichen eine zusätzliche Einmalleistung, auf die im Pflegefall zurückgegriffen werden kann. Etwa um die Wohnung behindertengerecht zu gestalten.

Aktuell sind Tagesgeldversicherungen für den oben genannten Beispielklienten im Alter von 55 Jahren bereits ab 80 € bis 90 € Monatsbeitrag erhältlich. Wobei die Beiträge sich je nach steigender Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme oder bei gesetzlichen Änderungen natürlich steigen können. Vorteil einer Pflegetagesgeldversicherung ist, dass es neben „statischen“ auch „flexible“ Tarife gibt. Diese erlauben eine individuelle Leistungszusammenstellung pro Pflegegrad.

Mit einer freiwilligen Pflegerente die Pflegekosten decken

Die Pflegerentenversicherung ist das dritte Modell und auch die teuerste Art einer privaten Pflegezusatzversicherung. Vorteilhaft ist bei dieser Variante, dass die Auszahlung ebenso wie bei einer Tagesgeldversicherung nicht zweckgebunden ist. Außerdem hat eine Reduzierung, Erhöhung oder Pausierung der Beitragszahlungen keinen Einfluss auf die Gültigkeit des Versicherungsschutzes der Pflegerentenpolice. In dieser Hinsicht hebt sie sich von den anderen beiden Modellen ab.

Der Nachteil ist, dass die Pflegerentenversicherung an eine Kapitalabdeckung gekoppelt ist. Die Versicherung greift erst, sobald die vereinbarte Versicherungssumme vollständig einbezahlt ist. Ob in Form einer Einmalleistung oder Monatsbeiträgen, ist gleichgültig. Da es sich bei der Pflegerentenversicherung um eine Kapitalanlage in Form einer Lebensversicherung handelt, ist die spätere Auszahlungshöhe abhängig von der Rendite. Und diese basiert auf dem geltenden Zinssatz. Bei den herrschenden Niedrigzinsen ist bei Auszahlung kein allzu hohe Verzinsung zu erwarten.

Diese Pflegezusatzversicherung wird in Form einer Pflegerente lebenslang ausbezahlt, sobald der Pflegefall eintritt. Die Höhe der monatlichen Auszahlung wurde zuvor in der Police festgelegt und orientiert sich am Pflegegrad. Sollte der Pflegefall nicht zu einem in der Police vereinbarten Alter eintreten, erhält der Versicherte seine Beiträge als lebenslange Rentenzahlung zurück.

Wissenswertes über die Pflegezusatzversicherung

Eine Pflegezusatzversicherung lohnt sich in jedem Fall. Je jünger man bei Abschluss ist, desto günstiger gestalten sich die Monatsbeiträge natürlich. Je länger allerdings die Laufzeiten der verschiedenen Pflegezusatzversicherungen, desto höher auch das Risiko einer Unterbrechung des Beitragszahlung – etwa durch Mutterschaft bedingten Job- und Einkommenswegfall oder durch eine anders gelagerte, unvorhergesehene Berufspause.

Allein, um den Beitragsverlust bei einer ungeplanten Zahlungslücke zu vermeiden, lohnt sich ein genauer Vergleich der unterschiedlichen Pflegezusatzversicherungen einerseits und der jeweiligen Policen andererseits. Man kann bei genauerem Hinsehen oft Leistungen wie eine Beitragszahlungspause oder Teilrückzahlung geleisteter Beiträge vereinbaren oder integrieren. Etwa der sogenannte Pflege-Bahr, der private Pflegezusatzversicherungen staatlich bezuschusst.

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Über Jakob 184 Artikel
Jakob ist Autor von Finanzgrundlagen.de

1 Kommentar

  1. Auch wenn die Rente noch in weiter Ferne ist, sollte man sich bald genug Gedanken über eine mögliche Pflegezusatzversicherung machen. Sich zwischen den 3 Modellen, also der Pflegerentenversicherung, der Pflegetagegeldversicherung und der Pflegekostenversicherung zu entscheiden ist nicht gerade einfach. Hier muss jeder seinen individuellen Weg finden, der Kostenfaktor ist hierbei nicht zu vernachlässigen.
    Für mich persönlich ist die Pflegerentenversicherung am Interessantesten. Hier gilt: Je früher sie abgeschlossen wird, desto günstiger sind die Bedingungen. Das Positive an dieser Versicherungsart: Die Versicherung zahlt lebenslang und ohne Beschränkung im Pflegefall. Jedoch sind die Beiträge auch dementsprechend höher. Wie gesagt, eine solche Entscheidung ist sehr individuell und persönlich.

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