Gute Gründe für eine private Pflegeversicherung

Für das Alter vorsorgen mach Sinn.

Finanzblogroll im Interview

Gute Gründe für eine private Pflegeversicherung

1995 hat die deutsche Regierung die gesetzliche Sozialversicherung um eine neue Pflegeregelung erweitert. Nach diesem Gesetz hat jeder in Deutschland Versicherte Anspruch auf staatliche Unterstützung im Pflegefall. Die gesetzliche Pflegeversicherung können sowohl gesetzlich wie auch von privat Krankenversicherte in Anspruch nehmen. Allerdings reicht sie nicht immer aus, um die Differenz auszugleichen, die zwischen vorhandenem, privatem Vermögen und Kosten für die Pflegeversorgung entsteht. Für solche Fälle empfiehlt sich eine der drei Varianten zur privaten Pflegezusatzversicherung. Diese wird seit dem Jahr 2013 vom Staat teilweise gefördert. Grund genug also, über den Abschluss einer zusätzlichen, privaten Pflegeversicherung nachzudenken.

Die wichtigsten Gründe für eine zusätzliche Pflegeversicherung im Überblick

  1. Der Grund, der wohl die meisten Menschen dazu bewegt, über eine private Pflegeversicherung nachzudenken ist die finanzielle Entlastung der eigenen Angehörigen.
  2. Ein weiterer Grund für eine zusätzliche Pflegeversicherung ist, dass man so selbstbestimmt leben kann, auch wenn man irgendwann zum Pflegefall geworden sein sollte.

Den Kindern nicht zur Last fallen dank privater Pflegeversicherung

Wer über eine private Pflegeversicherung nachdenkt, tut das meist aus dem Antrieb heraus, dass er im fortgeschrittenen Alter nicht den eigenen Kindern zur Last fallen möchten – nicht selten sind diese mit Ausgaben für den eigenen Nachwuchs oder der Tilgung eigener Verbindlichkeiten bereits wirtschaftlich ausgelastet. Nun wurde zwar mit der Einführung der neuen Regelungen im Pflegegesetz auch die staatliche Subventionierung um rund 400 Euro pro Monat angehoben, doch parallel dazu steigen natürlich auch die Kosten für eine ambulante oder gar stationäre Pflege.

Hinweis
Gab es im Dezember 1991 noch knapp mehr als 2 Millionen pflegebedürftiger Menschen, so waren es 20 Jahre später 2011 bereits 2,5 Millionen. Experten schätzen die Anzahl Pflegebedürftiger in Deutschland für 2050 auf bis zu 4,5 Millionen. Grund dafür ist natürlich die zunehmende Lebenserwartung, aber auch andere Faktoren wie veränderte Familienstrukturen und demografische Aspekte spielen in die zu erwartende Zunahme von Pflegefällen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten mit hinein.

Die gesetzliche Pflegeversicherung war nie dazu gedacht, den Betroffenen die gesamten Kosten für eine Pflegebehandlung abzunehmen. Und bis man im Pflegefall überhaupt Anspruch auf diese staatliche Leistung hat, müssen zunächst private Quellen ausgeschöpft sein. Das heißt: Reichen die Mittel der gesetzlichen Pflegeversicherung für eine Heimunterbringung (Kosten bis zu 3.000 monatlich) oder für die Palliativpflege Zuhause nicht aus, muss die Versorgungslücke mit dem Einkommen der Betroffenen geschlossen werden.

Leider sind schon heute viele Pflegebedürftige damit überfordert, diese Summen aufzubringen. Für die Pflegekasse sind dann die Angehörigen die nächsten Ansprechpartner. Die Kasse prüft dann genau, ob diese bei eigenen Verbindlichkeiten und Einkommensgrenzen noch Mittel übrig haben, um den familiären Pflegefall wirtschaftlich mitversorgen zu können. Erst wenn dies nachweislich nicht der Fall ist, springt die Sozialkasse des Staates ein. Allerdings kann man an diese Grundversorgung keine besonders hohen Ansprüche stellen. In der Folge leidet die Selbstbestimmung.

Mehr Selbstbestimmung auch im Alter dank zusätzlicher Pflegeversicherung

Wer seinen Lebensstandard nicht verschlechtern möchte, wer Angst hat davor, dem maroden Pflegesystem zum Opfer zu fallen und sich aufgrund der eigenen Pflegebedürftigkeit nicht wehren kann gegen eine mangelhafte Pflege und Behandlung, der sollte dringend über eine private Pflegeversicherung nachdenken. Damit kann er oder sie bis ins hohe Alter hinein selbstbestimmt bleiben: Sich gut ausgebildete Fachkräfte für die ambulante Pflege leisten, ein Pflegeheim wählen, das über die Mindeststandards hinaus die Lebensqualität und Menschenwürde gewährt.

Hinweis
Wer seinen Lebensabend in einem anderen Land verbringen möchte und dort zum Pflegefall wird, hat dann Anspruch auf gesetzliche Versicherungsleistungen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Bezieher weiterhin eine deutsche Staatsbürgerschaft hat, Rente aus Deutschland bezieht bzw. höchstens teilweise aus dem Auswanderungsland und der Pflegeanspruch erst nach der Auswanderung festgestellt wurde. Unabhängig davon, ob das Zielland innerhalb der EU liegt oder außerhalb.

Zunehmend entscheiden sich alternde Menschen dafür, ihren Alterswohnsitz in Länder zu verlagern. Bevorzugt in Länder, die auch bei einer in Deutschland niedrigen Rente einen vergleichsweise hohen Lebensstandard bieten. Um gerade hier in der stationären oder ambulanten Pflege keine Abstriche hinnehmen zu müssen, sollte man sich vorab über den Bezug deutscher, gesetzlicher Pflegeleistungen im Ausland informieren. Es ist ratsam, das Geld, das man im Ausland an den Lebenshaltungskosten einsparen kann, in eine private Pflegeversicherung investieren.

Wie hoch ist die Unterstützung in den gesetzlichen Pflegegraden?

Es stimmt, die Regierung hat die Bezüge im Zuge der Pflegegesetzerneuerung erhöht. Jedoch steigen auch die Kosten für ambulante und stationäre Pflege zusehends. Hinzu kommt, dass man das Modell der Pflegestufen durch feiner gegliederte Pflegegrade ersetzt hat. Im ersten Pflegegrad allerdings ist von staatlicher Seite keinerlei Unterstützung vorgesehen. Ausnahme: Die vollstationäre Heimpflege kann auch bei Pflegegrad 1 mit 125 € monatlich durch die Pflegekasse bezuschusst werden.

Unterschieden wird nach wie vor in Sach- und Geldleistungen. Als Geldleistung wird ein Zuschuss bezeichnet, den die Sozialkasse dem Pflegebedürftigen in Form einer Überweisung auszahlt. Anspruch darauf hat er erst ab Pflegestufe 2. Allerdings nur als finanzielle Entlastung in der ambulanten Laienpflege – etwa durch Angehörige oder Freunde in den eigenen vier Wänden. Die Geldleistung beträgt dann 316 €. Sie ist gestaffelt bis zu Pflegegrad 5 und kann maximal 901 € pro Monat betragen.

Die Sachleistung ist ebenfalls eine finanzielle Zuwendung. Allerdings wird diese nicht dem Pflegebedürftigen selbst überwiesen. Um die – höhere – Sachleistung zu erhalten, muss der Versicherte einen professionellen Pflegedienst beauftragen. Dieser rechnet mit der Pflegekasse direkt ab, die den Höchstsatz des jeweiligen Pflegegrades an den Pflegedienst auszahlt. Der Höchstsatz beträgt bei Pflegegrad 2 689 €, bei Pflegegrad 3 1298 €, bei Grad 4 1612 € und bei Pflegegrad 2 1995 €.

Für eine vollstationäre Heimpflege stellt die Sozialkasse eine Versicherungsauszahlung von zwischen 125 € und 2005 € pro Monat bereit. Je nach anfallenden Heimkosten, kann die Differenz zur kompletten Tilgung über 1000 € monatlich betragen. Wer nun nur eine kleine Rente bekommt, kann hier schon in deutlichen Zugzwang geraten. Und genau hier profitieren Pflegebedürftige dann von einer privaten Pflegeversicherung, zusätzlich zur gesetzlichen Vorsorge abgeschlossen.

Geförderte Pflegeversicherung – Pflege-Bahr

Wer sich bei der privaten Pflegeversicherung für die Variante des sogenannten Pflegetagegeldes entscheidet, erhält unter Umständen zu dieser privaten Zusatzversicherung noch eine staatliche Förderung. Den sogenannten Pflege-Bahr, benannt nach dem damaligen Gesundheitsminister, die die Förderung seinerzeit einführte. Der Pflege-Bahr ist seit 2013 Bestandteil der Pflegeversicherungsregelung. Allerdings werden nicht alle Policen und Versicherungsarten mit dem Pflege-Bahr bezuschusst. Hier muss man sich vor Abschluss genau informieren.

Weitere Kriterien für den Erhalt des Pflege-Bahrs von 5 € im Monat ist eine förderbare private Pflegeversicherung. Diese muss der / die Versicherte aber vor allen Dingen mit einer monatlichen Prämie von mindestens 10 € bedienen. Man muss zum Zeitpunkt der Pflegebedürftigkeit mindestens 600 € Monatsleistung (Pflegestufe 3) von der zusätzlichen Pflegeversicherung erhalten, um den Pflege-Bahr zu bekommen.

Aber der Pflege-Bahr lohnt sich nicht in jedem Fall. Zwar dürfen Versicherer bei Bahr-geförderten Tarifen anders als sonst keine Gesundheitsprüfung verlangen, was eine gewisse Anspruchsgarantie auf die Versicherungsleistung schafft. Oft reichen die Summen geförderter Pflegeversicherungen aber dennoch nicht aus, um die notwendige Pflege und Behandlung ohne zusätzliche privatfinanzielle Aufwendungen finanzieren zu können. Darüberhinaus gibt es bei vielen Bahr-Tarifen eine Aufbaufrist von bis zu fünf Jahren.

Die unabhängigen Experten von Stiftung Warentest haben eine Vielzahl der geförderten Pflegeversicherungen oder Kombi-Policen (aus geförderten und ungeförderten Tarifen) als nicht empfehlenswert eingestuft. Besonders zur Absicherung im Demenzfall oder bei Abschluss einer privaten Pflegeversicherung in jüngeren Jahren eignen sich viele geförderte Tarife nicht. Ein genauer Blick auf die Details und eine unabhängige Beratung sind also auch bei der zusätzlichen, privaten Pflegeversicherung unerlässlich.

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